Sehr geehrte Frau Dantos-Wintz, wie ordnen Sie die jüngst getätigte "Stadtbild"-Aussage des CDU Parteivorsitzenden und Bundeskanzlers Herrn Merz ein?
Eine von vielen Quellen:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-stadtbild-migration-100.html
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und die Frage zur anhaltenden Debatte über die Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum Thema „Stadtbild“. Die Diskussion rund um diese Äußerungen ist vielschichtig, und es ist mir ein Anliegen, zur Versachlichung der Debatte beizutragen.
Zunächst möchte ich klarstellen, dass Rassismus ein reales Problem in Deutschland ist und jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Aussehen oder Glauben Anspruch auf Würde, Sicherheit und Respekt hat. In diesem Kontext halte ich es für entscheidend, dass wir Rassismus nicht relativieren, sondern entschieden entgegentreten. Dennoch ist auch klar, dass das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Jahren spürbar abgenommen hat – eine Wahrnehmung, die auf realen Problemen beruht. Hierbei ist es wichtig, offen und sachlich über Sicherheitsfragen zu sprechen.
Die Aussage des Kanzlers zielte ausdrücklich nicht auf das Aussehen oder Herkunftsländer von Menschen ab. Herr Merz selbst hat mittlerweile eingeräumt, dass er klarer und früher hätte erläutern müssen, was genau er mit „Stadtbild“ meinte. In diesem Zusammenhang sehe ich die „Stadtbilddebatte“ als Symptom einer größeren Herausforderung: Der Verständigung innerhalb der Bevölkerung. Dennoch halte ich diese Auseinandersetzung für legitim und notwendig, um Migration, Integration und die Wahrnehmung von Sicherheit in unserer Gesellschaft objektiv zu diskutieren.
Ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass ich, als jemand, der nicht in Deutschland geboren wurde, mich von den Äußerungen des Kanzlers in keiner Weise persönlich angegriffen fühlte. Die Trennlinie zwischen einer fundierten Diskussion über die Integration von Migranten und einer diskriminierenden Haltung sollte klar erkennbar bleiben, um einen respektvollen und konstruktiven Dialog zu fördern. Viele haben im Nachgang an Merz’ Aussage versucht, diese Trennlinie zu verwischen.
Die Frage der Migration ist und bleibt eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dabei müssen wir einerseits anerkennen, dass Zuwanderung und Integration unverzichtbare Bestandteile unseres Landes sind, andererseits aber auch sicherstellen, dass Migration in geordneten Bahnen verläuft. Die spätere Klarstellung von Bundeskanzler Merz, dass es nicht um eine generelle Ablehnung von Menschen mit Migrationshintergrund geht, sondern um die Steuerung irregulärer Migration, unterstreicht diese Notwendigkeit.
Abschließend hoffe ich, dass meine Ausführungen zu einer sachlicheren Betrachtung der Debatte beitragen können und danke Ihnen nochmals für Ihre Nachricht und Ihr Interesse.
Mit freundlichen Grüßen
Catarina dos Santos-Wintz
