Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung der Gasspeicherfüllstände? Rechnen Sie mit einer Gasmangellage im kommenden Winter? Und wie bewerten sie hier die Herangehensweise dazu von Frau Reiche?
Sehr geehrter Herr de Vries,
die Füllstande der Gasspeicher sind lt. Karsten Wildberger und in Zustimmung von Kanzler Merz beunruhigend niedrig. Mit dieser Reaktion des Kanzlers werden nun in der Bevölkerung auch Sorgen geschürt, dass möglicherweise die Gasversorgung für den kommenden Winter nicht ausreichend sein könnte. Wie stehen sie dazu? Trotz dieser wachsenden Sorge lehnt Ministerin Reiche bisher staatliche Intervention zur Absicherung ab. Worauf wartet Sie und wird für den Winter vorgesorgt sein? Ich freue mich auf Ihre Antwort. Danke und schöne Grüße
Ntv.de 2.9.26 https://www.n-tv.de/wirtschaft/Merz-wegen-niedriger-Gasfuellstaende-besorgt-id31259439.html
Sehr geehrte Frau A.,
vielen Dank für Ihre Frage. Sie haben recht: Die Speicherstände in Deutschland liegen derzeit deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren. Die militärische Eskalation im Nahen Osten im Verbund mit den Einschränkungen an der Straße von Hormus erschweren und verteuern die Beschaffung von LNG-Mengen. Die Bundesregierung nimmt es sehr ernst. Gleichzeitig lässt sich die Versorgungssicherheit nicht allein am Faktor Speicherfüllstand ablesen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Speichern, laufenden Pipelineimporten, LNG-Importen, verfügbarer Infrastruktur, Nachfrage und dem europäischen Gasverbund.
Nach dem aktuellen Erkenntnis- und Analysestand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Speicherstände im Bereich von 60 bis 70 Prozent zum Winterbeginn können, derzeitigen Bewertungen zufolge, zusammen mit weiteren Importmöglichkeiten ausreichen, um eine erwartbare Winternachfrage zu decken.
Die Bundesregierung kann – und wird – jedoch reagieren, wenn sich zentrale Risikofaktoren für die Versorgungssicherheit deutlich verschärfen. Ein solcher Eingriff ist aber kein risikoloses Instrument. Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen. Deshalb müssen solche Eingriffe sorgfältig abgewogen werden. Ein besonnenes Vorgehen seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist daher ganz im Sinne der Strategie der Bundesregierung die Energieversorgung in Deutschland sicher und krisenfest zu gestalten.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph de Vries
