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Wieso finanzieren weiterhin die Beitragszahler der gesetzlichen Kassen anstelle aller Steuerzahler versicherungsfremde Leistungen in den GKV (z. B. Bürgergeldempfänger)

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Frage von Claas C. •

Wieso finanzieren weiterhin die Beitragszahler der gesetzlichen Kassen anstelle aller Steuerzahler versicherungsfremde Leistungen in den GKV (z. B. Bürgergeldempfänger)

Gerade der SPD sollte doch daran gelegen sein, die Kosten auch auf die breiten Schultern der Gutverdiener und Privatversicherten zu verteilen, als sie von der arbeitenden Mitte alleine finanzieren zu lassen. Das ist nicht linke Tasche, rechte Tasche sondern einseitige Belastung des Faktors Arbeit und der arbeitenden Mitte. Artikel: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-politiker-christos-pantazis-warnt-union-vor-blockade-bei-gesundheitsreform-a-b33343c2-0e1b-44aa-aad0-b672fc00caa0

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr C.,

vielen Dank für Ihre Frage, mit der Sie einen zentralen Punkt der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte ansprechen.

Sie haben Recht: Die gesetzliche Krankenversicherung wird überwiegend aus Beiträgen von Beschäftigten und Arbeitgebern finanziert. Deshalb ist es ordnungspolitisch geboten, sehr genau zu unterscheiden zwischen Leistungen, die aus dem Versicherungssystem selbst erwachsen, und solchen, die gesamtgesellschaftliche Aufgaben darstellen.

Zu Letzteren zählen auch Teile der Gesundheitskosten für Bürgergeldempfängerinnen und -empfänger. Wenn die hierfür vorgesehenen Bundeszuschüsse die tatsächlichen Ausgaben nicht ausreichend abdecken, entsteht eine Finanzierungslücke, die faktisch von den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern geschlossen wird. Das führt zu einer einseitigen Belastung des Faktors Arbeit – genau das kritisieren Sie zu Recht.

Ich setze mich deshalb dafür ein, dass der Bund diese gesamtgesellschaftlichen Aufgaben stärker und verlässlicher aus Steuermitteln finanziert. Das würde die Lasten breiter verteilen – auch im Sinne einer stärkeren Beteiligung leistungsfähiger Schultern – und gleichzeitig Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner sowie Arbeitgeber entlasten.

Mit dem aktuellen Reformpaket gehen wir hier erste wichtige Schritte, etwa durch den Einstieg in eine verbesserte Finanzierung dieser Kosten durch den Bund. Klar ist aber auch: Für eine strukturell gerechtere Finanzierung braucht es weitere Schritte im parlamentarischen Verfahren und darüber hinaus.

Mein Ziel bleibt: Die arbeitende Mitte darf nicht dauerhaft die Hauptlast tragen. Wir brauchen eine solidarische, faire und nachhaltige Finanzierung unseres Gesundheitssystems, die gesamtgesellschaftliche Aufgaben auch gesamtgesellschaftlich trägt.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christos Pantazis, MdB
 

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