Teilen Sie die Kernaussagen des BNetzA-Berichts '25 (Netze + Flex sind zwingend)? Befürworten Sie eine Drosselung – wenn ja: wo und wie? Was sind die erwarteten Effekte auf Redispatch u. Netzentgelte?
Thema Energiepoltik und Pläne von Ministerin Reiche.
Sehr geehrter Herr Ciro B.,
die Energiewende verändert unser Stromsystem grundlegend. Für eine größere Energiesouveränität und zur Erreichung der Klimaschutzziele ist neben dem Ausbau erneuerbarer Energien für eine stabile und verlässliche Energieversorgung auch der Ausbau von Energiespeichern und Netzinfrastruktur entscheidend.
Windenergie- und Solarenergieanlagen speisen Strom tageszeit- und witterungsbedingt nicht gleichmäßig ein. Dadurch entsteht eine doppelte Herausforderung: Einerseits kann erneuerbare Energie nicht jederzeit die steigende Nachfrage decken – etwa durch Elektrifizierung. Andererseits übersteigt an Tagen mit viel Sonne oder starkem Wind die Stromproduktion zeitweise den Bedarf.
Dies führt zur Zuschaltung teurer fossiler Kraftwerke oder zu Stromimporten. Das andere kann dazu führen, dass Anlagen zeitweise abgeregelt werden müssen und sogenannte Redispatch-Maßnahmen nötig werden. Redispatch bedeutet vereinfacht: Kraftwerke werden kurzfristig angewiesen, mehr oder weniger Strom zu erzeugen, damit Stromleitungen nicht überlastet werden.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, braucht es drei zentrale Bausteine:
- leistungsfähige Stromnetze,
- mehr Flexibilität im Energiesystem sowie
- den Ausbau von Energiespeichern.
Flexible Verbraucher, Speichertechnologien und eine intelligentere Steuerung von Erzeugung und Nachfrage können dazu beitragen, Strom stärker dann zu nutzen, wenn er verfügbar ist.
Eine zeitweise und gezielte Drosselung von Einspeisung kann dabei in einzelnen Situationen sinnvoll sein, etwa bei lokalen Netzengpässen. Sie sollte jedoch nur als kurzfristiges Instrument dienen. Langfristig muss das Ziel sein, erneuerbaren Strom möglichst vollständig zu nutzen – durch Netzausbau, Speicher und eine bessere Systemintegration.
Ein effizienteres Zusammenspiel dieser Elemente kann zudem wirtschaftliche Vorteile bringen. Weniger Netzengpässe bedeuten weniger kostspielige Eingriffe in den Strommarkt – und damit auch eine Entlastung bei den Netzentgelten für Verbraucherinnen und Verbraucher. Ich danke daher unserer Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche dafür, diese Zusammenhänge klar einzuordnen und die energiepolitische Debatte stärker auf Versorgungssicherheit, Systemeffizienz und langfristig bezahlbare Energie auszurichten.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Cornell Babendererde MdB
