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Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?

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Dennis Sonne
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Frage von Marie K. •

Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?

Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.

Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.

Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.

Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau K.

ich teile Ihre Argumente.

Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat beschlossen, die Vergütung für ambulante psychotherapeutische Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 % zu senken. Das ist eine Einrichtung der gemeinsamen Selbstverwaltung von Spitzenverbänden der Krankenkassen und Ärztekammern.
Ich und viele Abgeordnete aus meiner Fraktion sehen diese Entscheidung als ein problematisches Signal, gerade in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und viele Menschen monatelang auf einen Therapieplatz warten.


Für die Psychotherapeut:innen steigen seit Jahren Kosten für Praxismieten, Personal und Energie.
Die Senkung der Vergütung hätte Konsequenzen wie längere Wartezeiten für gesetzlich Versicherte, stärkere Orientierung von Praxen auf Privatpatient:innen, Risiken für Weiterbildungskapazitäten und Nachwuchs in der Psychotherapie und schließlich zusätzliche Belastung anderer Teile des Gesundheitssystems.
Die hohen Folgekosten von nicht oder zu spät behandelten psychischen Problemen zeigt die Forschung seit Jahren. Auf der anderen Seite spart jeder Euro, der in Psychotherapie investiert wird, dem System ein Mehrfaches durch weniger chronische Erkrankungen, weniger Arbeitsausfälle und mehr gesellschaftliche Teilhabe.
Die angekündigten Klageverfahren zeigen, dass hier noch erheblicher Klärungsbedarf besteht.

Also: Wer Versorgung früh ermöglicht, verhindert Leid und hohe Kosten! Ich werde das Thema aufmerksam verfolgen, das Problem benennen und mich für besseren Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung einsetzen. An dieser Stelle zu sparen, ist der falsche Weg.

Ich danke Ihnen und allen, die auf das Thema aufmerksam machen. 

Herzliche Grüße

Dennis Sonne 

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