Wie schützt die Landesregierung Jugendhilfe-Fachkräfte und sichert trotz Sparzwang, Personalmangel und Gewaltgefahren verlässliche Hilfen?
Sehr geehrter Herr Panter, in Anbetracht der Gewalttat in Stade fragen sich viele Kolleginnen und Kollegen in der Jugendhilfe, wie unter den Bedingungen von Sparzwang, Personalmangel und steigenden Belastungen die im SGB VIII verankerten Hilfen weiterhin verlässlich und sicher gewährleistet werden können.Wie kann sichergestellt werden, dass Fachkräfte, junge Menschen, Familien, Betroffene von Gewalt und auch hoch belastete oder gewaltbereite Adressat*innen die notwendige Unterstützung erhalten, ohne dass Beschäftigte oder Schutzsuchende um ihr leben fürchten müssen?Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Landesregierung, um Mitarbeitende im ASD, in Wohngruppen, Beratungsstellen, Kitas, Horten und weiteren Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die einen staatlichen Auftrag erfüllen, besser zu schützen? Ist es vorstellbar das Mittel im Haushalt mobilisiert werden um beispielsweise Panic Buttons in Einrichtungen anzubringen?
Sehr geehrter Herr E.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre wichtige Frage. Die Gewalttat in Stade hat viele Menschen, so auch mich, tief erschüttert.
Auch die jüngste Berichterstattung über die Situation beim Jugendnotdienst Leipzig, zeigt wie akut das Thema ist. Hierzu hat die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat eine Anfrage für die kommende Ratsversammlung gestellt. Es drängt sich vor allem die Frage auf, wieso der Jugendhilfeausschuss erst über einen Presseartikel von den Missständen erfahren hat und von Seiten des Jugendamtes nicht früher reagiert wurde.
Die Beschäftigten in der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen täglich Verantwortung in sehr herausfordernden Situationen. Ihnen gilt mein ausdrücklicher Dank und meine Anerkennung.
Dazu gehört auch, dass diejenigen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, bei ihrer Arbeit selbstverständlich selbst geschützt sein müssen.
Grundsätzlich erfolgt die Umsetzung der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen kommunaler Selbstverwaltung. Dazu gehört auch der Schutz vor gewaltbereiten Personen.
Als SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag setzen wir uns allerdings ausdrücklich dafür ein, die Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe verlässlich zu sichern. Auch wenn die Haushaltslage momentan sehr angespannt ist.
Unabhängig von technischen Lösungen besteht der wirksamste Schutz darin, dass Einrichtungen personell ausreichend ausgestattet sind, Gefährdungslagen frühzeitig erkannt und Beschäftigte auf belastende oder eskalierende Situationen vorbereitet werden.
Für Mitarbeitende im ASD bietet das Landesjugendamt eine berufsbegleitende Fortbildung an, die insbesondere auf die Wahrnehmung von Eskalationssituationen bei Gesprächen mit Konfliktpotential abzielt.
Weitere Fortbildungen für Fachkräfte im Kontext von Konfliktmanagement und Gewaltprävention werden zudem von Verbänden der Kinder- und Jugendhilfe ermöglicht. Die AGJF Sachsen e.V. bietet zum Beispiel ein Deeskalationstraining für Mitarbeitende der Jugendhilfe an.
Vielen Dank für Ihre Anregungen und Ihren Einsatz für die Kinder- und Jugendhilfe.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Panter
