Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um die Arbeitslosigkeit der Ü50-Generation zu bekämpfen – angesichts von 1.046.643 gemeldeten Arbeitslosen ab 50 Jahren (BA, Februar 2026)?
Sehr geehrte Frau Kreiser, 34% aller Arbeitslosen sind über 50 Jahre alt, gleichzeitig wird Rente mit 70 diskutiert. Ich möchte folgende Maßnahmen vorschlagen: Lohnkostenzuschüsse für Ü50-Einstellungen, Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes gegen Altersdiskriminierung, steuerlich absetzbare Weiterbildung für Ü50. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht Februar 2026. Danke im Voraus für Ihre Antwort
Sehr geehrte Frau C.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Anregungen und Vorschläge!
Das Thema Menschen Ü50 am Arbeitsmarkt ist von zentraler Bedeutung, das betont auch Bärbel Bas als Bundesarbeitsministerin. Die Erwerbstätigkeit ist für viele Menschen mehr als Broterwerb. Sie bietet soziale Kontakte, sie bietet Anerkennung und sie trägt zu einem erfüllenden Leben bei. Gleichzeitig steht Deutschland vor der Herausforderung des Fachkräftemangels aufgrund der Demografie, der Digitalisierung und der Dekarbonisierung. Deshalb ist es wichtig, dass ältere Menschen die Chance haben, lange erwerbstätig zu sein.
Ohne die Probleme bei der Arbeitssuche kleinreden zu wollen, steht Deutschland bei der Erwerbstätigkeit älterer Menschen tatsächlich verhältnismäßig gut da.
Wir haben es geschafft, die Erwerbstätigkeit der Menschen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt zu erhöhen und gerade in den oberen Altersgruppen haben wir besonders viel erreicht. Bei den 55- bis 59-Jährigen ist die Erwerbstätigkeit deutlich von 64,6% (2014) auf 83,3% (2024) gestiegen. In dieser Altersgruppe sind mittlerweile fast so viele Menschen erwerbstätig wie bei den 25-bis 54-Jährigen (85,3%). Und auch bei den 60- bis 64-Jährigen konnten wir die Erwerbstätigkeit deutlich erhöhen. Mittlerweile arbeiten zwei von drei Menschen in dieser Altersklasse (67 % in 2024). Auch im internationalen Vergleich stehen wir damit gut da. Deutschland liegt bei den 55- bis- 64-Jährigen im EU-Vergleich in der Spitzengruppe. Diesen Trend gilt es weiter zu befördern und die Menschen nach ihren Bedarfen zu unterstützen.
Die Bundesregierung hat mit ihrer Fachkräftestrategie ein Maßnahmenpaket vorgelegt, um die Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt zu nutzen. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt das Bundesarbeitsministerium mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) kleine und mittlere Unternehmen dabei, Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte gesund und motivierend zu gestalten. Ein zentraler Hebel ist die Unternehmenskultur. INQA wirbt dafür, dass ältere Beschäftigte als wertvolle Fachkräfte wahrgenommen werden – von den Unternehmen, aber auch von den älteren Fachkräften selbst. Dabei geht es besonders darum, Altersstereotype zu vermeiden, gegen Diskriminierung zu wirken und alternsgerechtes Arbeiten sowie Weiterbildung zu fördern.
Das Bundesarbeitsministerium und auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) sind engagiert, die Arbeitsmarktintegration älterer Arbeitsloser weiter zu befördern. Den Vermittlungsfachkräften vor Ort stehen zahlreiche Maßnahmen zur Verfügung, die auch die berufliche Wiedereingliederung älterer Arbeitsuchender unterstützen können, wie beispielsweise der Eingliederungszuschuss.
Grundsätzlich steht in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern immer die bestmögliche arbeitsmarktpolitische Unterstützung für den Einzelnen im Mittelpunkt. Dabei haben die Agenturen für Arbeit und Jobcenter sicherzustellen, dass Personen, deren berufliche Eingliederung voraussichtlich erschwert sein wird, eine verstärkte vermittlerische Unterstützung erhalten. Beispielsweise können Arbeitssuchende in den Agenturen für Arbeit gezielt durch die Möglichkeit der internen-ganzheitlichen Integrationsberatung der BA unterstützt werden. Sie richtet sich an Arbeitslose, die eine intensive und individuelle Unterstützung bei der Jobsuche benötigen. Ergänzend berät der Arbeitgeber-Service Arbeitgeber zu den vorhanden Bewerberpotenzialen am Arbeitsmarkt, beispielswiese zu Personen über 50 Jahren.
Gerne nehme ich Ihre Anregungen mit in die parlamentarische Arbeit und werde sie mit meinen Kolleginnen und Kollegen diskutieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dunja Kreiser
