Überakademisierung: Bei promovierten Geisteswissenschaftlern???

Dr. Götz Frömming
Götz Frömming
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Frage von Beate k. •

Überakademisierung: Bei promovierten Geisteswissenschaftlern???

Sehr geehrter Herr Frömming,

ihrer These einer allgemeinen Überakademisierung stimmt man gerne zu. Allerdings trifft dies nicht auf die kleine Zahl der Postdoktoranden zu (allerhöchstens 4-5% aller Uniabgänger). Die meisten Postdoks in den Humanities benötigen hervorragende Noten und eine sehr gediegene Ausbildung. Die Löhne stehen in keinem Verhältnis zu den persönlichen Vorleistungen. In meinem Fach gibt es derzeit nur drei Ausschreibungen bundesweit.
Es ist eine Tatsache, dass geisteswissenschaftliche Fächer einen leisen Tod sterben. Der Grund liegt in den restriktiven Arbeitsbedingungen der Universitäten. Wäre es nicht sinnvoller, flächendeckend den Arbeitsmarkt zu liberalisieren, den numerus clausus einzuführen oder Promotionen einer staatlichen Bewilligung zu unterziehen wie in anderen europäischen Ländern? Was nützt es an Schulen Deutsch, Latein und Griechisch zu unterrichten, wenn man genau diese Fächer an Universitäten kaputt spart?

Mit bestem Gruß

Beate K.

Dr. Götz Frömming
Antwort von AfD

Sehr geehrte Frau K.,

Allgemein betrachtet ist das Studium auch nur eine Ausbildung, wie man sie etwa zur Vorbereitung auf ein bestimmtes Handwerk durchläuft. Niemand käme allerdings auf die Idee, z. B. zahllose Schriftsetzer auszubilden, für die es gar keine Verwendung mehr gibt. Die ordnende Hand des Marktes funktioniert allerdings bei akademischen Berufen nur eingeschränkt. Denn der Arbeitgeber ist gerade in den Geisteswissenschaften vor allem der Staat bzw. die Universität selbst. Der Staat kann also den „Bedarf“ selbst bestimmen, indem er Arbeitsplätze an den öffentlichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen finanziert oder eben nicht. Selbst die großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Institut oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) könnten ohne die Zuwendung öffentlicher Mittel in Milliardenhöhe nicht existieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass die in diesem Bereich tätigen Akademiker davon überzeugt sind, dass kein für sie ausgegebener Euro verschwendet sei. Aus Sicht, der in der freien Wirtschaft arbeitenden Bevölkerung mag dies anders aussehen. Allerdings ist jemand von außen, der nicht selbst Teil des Universitäten- Kosmos ist, nur schwer in der Lage, die Sinnhaftigkeit akademischer Veranstaltungen zu beurteilen. Bekanntlich verwalten und beurteilen Akademiker sich selbst bzw. gegenseitig. Und da gilt oft eben „eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“: Du lässt mir meine Genderforschung und ich dir deine klassische Archäologie - vielleicht. 

Nun ergibt sich aber ein Problem, das ganz einfach damit erklärt ist, dass die Begehrlichkeiten unendlich sind - wie auch die Phantasie der Akademiker sie zu begründen -, aber die vorhandenen Mittel nicht. Hier kommt spätestens die Politik ins Spiel. 

Eine einfache Erklärung dessen, was Politik eigentlich ist, könnte so lauten: Politik ist die Austragung von Interessengegensätzen mit friedlichen Mitteln. Man denke sich die Politik - und auch jegliche andere übergeordnete Macht - weg und schon würden alle übereinander herfallen. Stattdessen, so könnte man sich die Lösung denken, schicken die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ihre Vertreter in ein Parlament, damit sie dort für sie nach den parlamentarischen Regeln streiten. Und tatsächlich verstehen auch viele Bundestagsabgeordnete ihr Mandat in diesem Sinne. Denken Sie etwa an Frau Bas, die offensichtlich die Interessen der Gewerkschaften vertritt und die Arbeitgeber zu Gegnern erklärt hat, die man gemeinsam (mit den Gewerkschaften) bekämpfen müsse. (wörtlich: „Für mich war dieser Arbeitgebertag ein Schlüsselerlebnis, weil da besonders deutlich wurde, gegen wen wir gemeinsam kämpfen müssen.“  29.Nov. 2025,  Bundeskongress der Jusos in Mannheim, https://www.hss.de/news/feindbild-chef-news13568/)

Aber ist das ein Verständnis des Mandats eines Abgeordneten, wie es das Grundgesetz vorsieht? Freilich gibt es demokratische Systeme, die so funktionieren. Man spricht auch vom imperativen Mandat. Also eine feste Bindung des Abgeordneten an die Klientel, die ihn gewählt und damit beauftragt hat, ihre, und zwar ausschließlich ihre, Interessen wahrzunehmen. 

Die Nachteile eines solchen Systems liegen allerdings auf der Hand. Edmund Burke hat sie in seiner berühmten Rede an die Wähler von Bristol 1774 beschrieben. Wenn im Parlament nur weisungsgebundene Lakaien sitzen, kann der Ausgleich der Interessen zum Wohle aller, also der ganzen Nation nicht gelingen. Dies erhellt sich auch aus der einfachen Überlegung heraus, dass bei freien und gleichen Wahlen im Parlament die verschiedenen Interessengruppen niemals alle und niemals auch auf angemessene Weise vertreten sein können. Zum Beispiel gibt es mehr Männer als Frauen und mehr Akademiker als Handwerker oder Landwirte im Parlament. Kinder und Jugendliche sind im Parlament überhaupt nicht vertreten. Migranten ohne deutsche Staatsbürgerschaft auch nicht. Rechtsanwälte, Beamte und Lehrer sind hingegen überrepräsentiert. 

Dieser Zustand bringt nun regelmäßig Vertreter der politischen Linken dazu, Quoten und Paritätsregeln aller Art zu fordern. Als könne und müsse man davon ausgehen, dass Frauen immer und automatisch im Interesse von Frauen agieren, als wäre es so, dass nur Handwerker die Wichtigkeit eines beruflichen Bildungswesens erkennen könnten. Ein solches Denken ist unserem Grundgesetz fremd. Es geht vielmehr davon aus, dass der einzelne Abgeordnete nicht den Befehlen irgendeiner Lobby folgt, sondern nur seinem eigenen Gewissen. Dass er, so wie Edmund Burke es beschreibt, auch in der Lage ist, die berechtigten Interessen anderer anzuerkennen, ja unabhängig seines eigenen Geschlechts, seiner Herkunft und eigenen Ausbildung bereit ist, für sie zu streiten. Kurz: dass er sich als Vertreter des ganzen Volkes versteht. 

Es kann und darf also - um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen - nicht so sein, dass die Akademiker im Parlament ihre Mehrheit nutzen, um den Akademikern außerhalb des Parlaments zu Lasten anderer Berufsgruppen Vorteile zu verschaffen. Es kann und darf also nicht die Motivation eines Volksvertreters sein, der eigenen Klientel gefallen zu wollen. Er muss vielmehr auch den Mut haben, Sätze wie diesen auszusprechen: „Es gibt zu viele Studenten in Deutschland die nutzlose Dinge zu lange studieren, zu Tausenden ihr Studium ergebnislos abbrechen und die besser eine Lehre gemacht hätten.“ Allerdings würde ich auf der anderen Seite immer dafür plädieren, dass ein insgesamt wohlhabendes Land sich auch Studiengänge wie die klassische Archäologie oder lateinische Philologie bewahren sollte. Dass ausgerechnet in diesem Bereich gespart wird, auf der anderen Seite aber wissenschaftlich fragwürdige Genderstudiengänge finanziert werden, ist eine Fehlentwicklung, die AfD-geführte Landesregierungen rückgängig machen werden. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Götz Frömming

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