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Welche Motivation bleibt jungen Menschen in diesem Land?

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Gregor Gysi
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Frage von Max L. •

Welche Motivation bleibt jungen Menschen in diesem Land?

Herr Gysi,
ich schreibe Ihnen als Student der durch den Umgang der Politik mit den jungen Menschen dieses Landes in den letzten Monaten so politikverdrossen und demotiviert wurde, wie in meinem bisherigen 24-Jahre langem Leben noch nie zuvor.
Mir scheint es, als würde unser Land in gesellschaftlichen Fragestellungen vor allem zurzeit einen Blick auf die älteren Mitbürger werfen. Dies soll kein Neidausdruck gegenüber den Älteren sein, so soll schließlich eine jede Wählergruppe beachtet werden, sondern vielmehr ein Gefühlsausdruck des vernachlässigt worden seins einer ganzen Generation.
Ich unterhalte mich oft mit Mitstudierenden und muss inzwischen nicht selten Schicksale miterleben, wo ein Studium aus finanziellen Gründen abgebrochen wird. Einige emigrieren sogar. Die Zukunft sieht, aufgrund des Klimas, bröckelnder Systeme wie dem Gesundheits- und Rentensystem, der Weltpolitik sowie der gesellschaftlichen Polarisierung, für meine Generation düster aus.
Welche Motivation bleibt uns?

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrter Herr L.,

 

Ihre Frage vom 17. Januar hat mich erreicht. 

 

Sie müssen sich politische Ziele stecken und Leidenschaft entwickeln. Dann können Sie sich politisch auch organisieren und kämpfen. Solange man streitet und kämpft, gibt man nicht auf.

Im Übrigen ist es völlig falsch, die Jungen gegen die Alten in Stellung zu bringen. Die Alten haben 30 bis 40 Jahre lang in das Rentensystem eingezahlt, um die damals Alten zu finanzieren. Später wird die nächste Generation einzahlen, damit Sie Rente beziehen können. Die Probleme könnten gelöst werden, wenn endlich alle Menschen mit Erwerbseinkommen, d.h. auch Bundestagsabgeordnete und Schritt für Schritt auch Beamtinnen und Beamte, Rechtsanwälte, etc. in das Rentensystem einzahlen. Die Beitragsbemessungsgrenze muss wegfallen – zumindest deutlich erhöht werden. Für die Spitzenverdiener muss der Rentenanstieg abgeflacht werden. Dann brauchten wir über Altersarmut nicht viel zu sprechen. Beim Gesundheitssystem müssen wir weg von einer Politik, wonach sich ein Krankenhaus zu rechnen hat. Die Privatisierung war hier falsch. Ein Krankenhaus hat in erster Linie für Gesundheit zu sorgen. Außerdem brauchen wir nicht über 100 gesetzliche Krankenkassen. Vielleicht täten es auch drei. Die Privilegierung von Privatpatienten muss auch beendet werden. 

 

Wenn man in diesem Sinne streitet, dann gibt man auch nicht auf.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Gregor Gysi

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