Wie stehen Sie persönlich zur automatischen Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung?
Guten Tag Herr P.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie sprechen mit der Entwicklung des gesetzlichen Renteneintrittsalters eine der zentralen Herausforderungen unserer sozialen Sicherungssysteme an. Die Frage, wie wir die gesetzliche Rente langfristig finanzierbar und gleichzeitig generationengerecht ausgestalten, wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.
Zu Ihrer konkreten Frage halte ich eine automatische Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung grundsätzlich für sinnvoll. Ich unterstütze daher die Empfehlung der Alterssicherungskommission, das Renteneintrittsalter nach 2032 schrittweise und nachvollziehbar an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Der Hintergrund ist einfach. Unsere Gesellschaft wird älter. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nachrücken. Ohne Reformen würde diese Entwicklung entweder zu deutlich höheren Beiträgen für die arbeitende Generation, zu steigenden Steuerzuschüssen oder langfristig zu einem sinkenden Rentenniveau führen. Keine dieser Entwicklungen halte ich für verantwortungsvoll. Eine Kopplung an die Lebenserwartung bedeutet dabei nicht, dass das Rentenalter beliebig oder sprunghaft steigt. Vielmehr würde zusätzliche Lebenszeit nach einem festen Schlüssel auf Erwerbs- und Ruhestandsphase verteilt. Steigt die Lebenserwartung, erhöht sich das Renteneintrittsalter entsprechend moderat und planbar. Bleibt die Lebenserwartung unverändert, erfolgt auch keine weitere Anhebung. Genauso wichtig ist mir jedoch, dass nicht jeder Beruf bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Wer jahrzehntelang körperlich schwer gearbeitet hat und aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, braucht einen verlässlichen sozialen Schutz. Deshalb unterstütze ich, dass wir zielgerichtete Lösungen für besonders belastete Berufsgruppen schaffen, anstatt pauschale Frühverrentungsregelungen fortzuführen. Aus vielen Gesprächen mit Handwerksbetrieben, mittelständischen Unternehmen und Beschäftigten in meinem Wahlkreis weiß ich zudem, wie wertvoll die Erfahrung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist. Gleichzeitig kenne ich die Belastungen vieler Menschen in körperlich anspruchsvollen Berufen. Eine zukunftsfeste Rentenpolitik muss beiden Realitäten gerecht werden. Für mich geht es deshalb um einen fairen Ausgleich zwischen Generationengerechtigkeit, finanzieller Stabilität und sozialer Verantwortung. Diesen Weg halte ich für vernünftig und nachhaltig.
Mit freundlichen Grüßen
Harald Orthey,MdB
