Rente an das Alter koppeln?
Sehr geehrte Frau Mihalicdie Rentenkommission empfiehlt, das Renteneintrittsalter künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Nach den aktuellen Vorschlägen würde das Rentenalter nach 67 weiter steigen, zum Beispiel auf 67,5 Jahre im Jahr 2041 und später weiter in Richtung 68 Jahre und darüber hinaus.
Ich halte diesen Vorschlag für sozial ungerecht, weil eine durchschnittliche Lebenserwartung nicht die Realität vieler Menschen abbildet. Wer jahrzehntelang körperlich oder psychisch belastend arbeitet, im Schichtdienst tätig ist, in der Pflege, im Handwerk, in der Produktion oder im Niedriglohnbereich, hat oft nicht dieselbe Chance, gesund bis 67 oder darüber hinaus zu arbeiten wie Menschen in besser bezahlten, weniger belastenden Berufen.
Meine Frage an Sie:
Werden Sie im Bundestag einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung zustimmen, falls ein entsprechender Gesetzentwurf zur Abstimmung kommt?
Bitte beantworten Sie die Frage möglichst klar mit Ja oder Nein
Sehr geehrter Herr N.,
das Rentenalter starr zu erhöhen, löst nicht die Probleme einer alternden Gesellschaft und stopft nicht die finanziellen Lücken im Rentensystem. Dafür braucht es ein umfassendes strategisches und differenziertes Konzept. Wir als Fraktion haben dazu gute Lösungen erarbeitet, die wir in die Debatten um die Umsetzung der Vorschläge der Rentenkommission einbringen werden.
Was die Bundesregierung zum Thema Rente mit ihren Mehrheiten im letzten Dezember beschlossen und am 1. Januar 2026 in Kraft gesetzt hat, war weit von guten Lösungen entfernt. Das Paket war eine Mogelpackung und deshalb wird es nun nach Abschluss der Rentenkommission einen Herbst voller umfangreicher Rentenreformdebatten geben.
Grundsätzlich halten wir eine fixe Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung derzeit nicht für sinnvoll. Dafür sind die Arbeitswelten und die individuellen gesundheitlichen Entwicklungen viel zu unterschiedlich.
Sicher kann man die sogenannte „Rente mit 63“ für besonders langjährig Versicherte in ihrer heutigen Form überdenken. Sie stellt eher einen Fehlanreiz dar und entzieht dem Arbeitsmarkt viele erfahrene und gesunde Fachkräfte bei gleichzeitiger Belastung der Rentenkasse. Wir können uns vorstellen, arbeitsrechtliche Hürden abzuschaffen, die das automatische Ende von Arbeitsverträgen bei Erreichen des Rentenalters festsetzen. Menschen, die wollen und können, sollten flexibel und selbstbestimmt länger arbeiten dürfen. Gleichzeitig sollen Menschen, die jahrzehntelang körperlich oder psychisch belastend gearbeitet haben, so in den Ruhestand eintreten können, dass Sie diesen auch noch genießen können.
Mit freundlichen Grüßen
Irene Mihalic
