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Können Sie sich bitte für die kürzlich eingetreten Gehaltskürzung von PsychotherapeutInnen einsetzen?

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Jamila Anna Schäfer
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Anna G. •

Können Sie sich bitte für die kürzlich eingetreten Gehaltskürzung von PsychotherapeutInnen einsetzen?

Sehr geehrte Frau Schäfer,

mit großer Sorge habe ich die geplante Kürzung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen zur Kenntnis genommen.
Der Weg in den psychotherapeutischen Beruf ist lang und kostenintensiv. Viele beginnen erst spät, regulär Einkommen zu erzielen und in die Rentenversicherung einzuzahlen. Gleichzeitig sind viele Therapeutinnen Frauen und müssen den Beruf mit Sorgearbeit vereinbaren. Die neue Absenkung der Vergütung verschärft diese strukturellen Nachteile.
Zudem drohen negative Folgen für gesetzlich versicherte PatientInnen. Schon heute sind Therapieplätze knapp und Wartezeiten lang. Eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen für ambulante Psychotherapie kann die Versorgung weiter gefährden, da viele Therapeuten finanziell bedingt auf die Versorgung Privatversicherter ausweichen werden müssen.

Ich bitte Sie daher, sich politisch für bessere Rahmenbedingungen der psychotherapeutischen Versorgung einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Anna Garcia R.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau R.,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Ihre Sorge teilen wir ausdrücklich: Die geplante Absenkung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ist vor dem Hintergrund der bereits heute bestehenden Versorgungslücken gesundheitspolitisch höchst problematisch. Nach dem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026 soll die Vergütung ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen künftig geringere Honorare für die Behandlung gesetzlich Versicherter erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss verlässlich und angemessen finanziert werden. Das ist wichtig für alle Betroffenen, aber natürlich auch für Sie als Psychotherapeut:innen und unsere gesamte Gesellschaft.

Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen Teil der ärztlichen Selbstverwaltung – und es ist richtig, dass diese nicht unmittelbar politisch festgelegt werden. Eine direkte Einflussnahme ist daher weder vorgesehen noch sinnvoll. Gleichwohl äußern wir uns als Bündnis 90/Die Grünen zu dieser Entwicklung sehr kritisch.

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung kontinuierlich steigt, Wartezeiten für Patient*innen vielfach unzumutbar lang sind und viele Praxen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, sendet eine pauschale Honorarkürzung ein fatales Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zulasten gesetzlich Versicherter entstehen, wird die Versorgung insgesamt gefährdet.

Was es stattdessen braucht, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen tragen nicht dazu bei, bestehende Fehlsteuerungen oder finanzielle Schieflagen im Gesundheitssystem zu beheben.

Die aktuellen gesellschaftlichen Krisen führen zu einem spürbaren Anstieg psychischer Belastungen – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Das bestehende Hilfesystem stößt vielerorts bereits an seine Grenzen und wird der wachsenden Nachfrage zunehmend nicht gerecht. Zugleich sind die Zugänge oft mit hohen Hürden verbunden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in psychischen Krisen monatelang auf Unterstützung warten müssen und die Suizidzahlen weiterhin Anlass zur Sorge geben. Unser Ziel ist klar: niedrigschwellige, bedarfsgerechte und passgenaue Angebote für alle Menschen, die Hilfe benötigen. Eine grundlegende Reform der Bedarfsplanung ist längst überfällig.

Als Grüne Fraktion setzen wir uns weiterhin mit Nachdruck für verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen, eine bessere Versorgung und eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen – auch in Weiterbildung – ein. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Jamila Schäfer

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