Frage an Jan Philipp Albrecht bezüglich Umwelt

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Jan Philipp Albrecht
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Frage an Jan Philipp Albrecht von Karin A. bezüglich Umwelt

Sehr geehrter Herr Albrecht,
wie würden Sie sich bei Ihrer Wahl zum Abgeordneten zum Thema Fracking in der EU positionieren?
Stünden Sie für eine diesbezügliche Diskussion im Kreis Dithmarschen mit den anderen EU-Kandidaten für Schleswig-Holstein zur Verfügung?
Mit freundlichen Grüßen
Karin Aschenbach

Frage von Karin A. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 4 Wochen 1 Tag

Sehr geehrte Frau Aschenbach,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage.

Leider gehören weite Teile Dithmarschens, ebenso wie zahlreiche Landkreise in Norddeutschland, zu den aktuellen Aufsuchungsgebieten international agierender Energiekonzerne ( http://politropolis.files.wordpress.com/2013/12/fracking-es-darf-gesucht-werden.jpg ).

Die hydraulische Frakturierung, bekannt als Fracking, ist eine höchst umstrittene Methode zum Abbau von Kohlenwasserstoffen, der unkonventionellen Erdgasförderung. Nicht nur das Einbringen einer Frac-Flüssigkeit unter sehr hohem Druck, sondern auch der Umgang mit dem zu Tage geförderten Lagerstättenwasser ist nach Expertenmeinung äußerst problematisch zu bewerten. Hierbei werden unter anderem radioaktive Stoffe, bisher in weiter Tiefe eingeschlossen, an die Erdoberfläche gefördert. Diese Wässer müssen fachgerecht entsorgt werden, was von Behörden sorgfältig begleitet und überprüft werden muss. Ohnehin ist eine solche Aufsichtsgewährleistung durch die bisher dafür nicht ausgestatteten Behörden kaum vorstellbar. Aber Beispiele aus Europa (Polen und England) , den USA und auch Niedersachsen zeigen, dass es vielfach zu Umweltschäden beim Transport des Lagerstättenwassers sowie auch illegaler Entsorgung kommt. Das Einbringen toxischer Stoffe in die Umwelt stellt aus meiner Siche eine nicht verwaltbare Gefahr dar. Hinzu kommt das steigende Erdbebenrisiko in Gebieten, in denen gefrackt und Lagerstättenwasser üblicherweise in stillgelegte Förderstätten verpresst wird. Der Schaden an Wohneigentum und weitere Gesundheitsgefährdungen sind nicht zugunsten der Bürgerinnen und Bürger geregelt. Dass die Zunahme von Erdbeben durch die Erdgasförderung bedingt ist, hat sich bereits in den Niederlanden bestätigt: http://de.euronews.com/2014/01/19/niederlande-reduzieren-gasfoerderung/ . Frankreich und Bulgarien haben mit dem Verbot von Fracking vorgemacht was möglich ist, aber leider wird an anderen Orten in der EU schon gefrackt mit bereits jetzt unabsehbaren Folgen. Das Aufsuchen durch verschiedene Konzerne beobachten wir aktuell fast überall. Die Grüne Fraktion im Europäischen Parlament hat zu dem Thema bereits gearbeitet und Initiativen aus ganz Europa eingeladen, gemeinsam zu arbeiten: http://www.greens-efa.eu/de/unfracked-10219.html

Ich halte diesen Ansatz für wichtig und möchte ausdrücklich die Arbeit der vielen Initiativen, die sich in Europa gegen das Fracking gegründet haben, loben und sie zu weiterem Widerstand gegen die Energiekonzerne ermutigen. Es handelt sich um sehr berechtigte Bedenken, die dort von unterschiedlich politisch motivierten Menschen vorgebracht werden. Sie betreffen die Zerstörung von Umwelt, Wasservorkommen, Infrastruktur, umfassen Lärmbelästigung, negative Auswirkungen auf die Biodiversität und Intransparenz während des Abbaus und in der weiten Perspektive. Weitergehend stellen wir als Grüne bereits die Profitaussichten beim Fracking generell in Frage und sehen hier keine Entwicklung, die im Sinne des Klimaschutzes und der wichtigen Energiewende zu betrachten wäre. Ohnehin wäre nicht zu erwarten, das erzielte Gewinne den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen würden. Diese hätten nur die langfristigen Kosten der Gefährdung zu tragen, der sich die Konzerne durch ihr Aufspalten in Tochtergesellschaften zu entziehen scheinen.

Ich bedauere sehr, dass es nicht gelungen ist zumindest eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung über die europäische Ebene zu bekommen. Auch begleite ich kritisch die nicht abschätzbaren Folgen, die durch den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU entstehen können. Dies kann die mögliche Einführung von Investor-Staats-Klagen, die sich gegen Frackingverbote richten könnten, umfassen. Beispielhaft steht hier der Fall des Fracking-Moratoriums in Quebec in Kanada, die infolge eines solchen Abkommens verklagt werden. Fracking hat unter anderem in den USA bereits weitreichende und langfristige schädliche Folgen für Menschen und Umwelt. Ich selber konnte mir im vergangenen Sommer einen Eindruck davon machen was auch in Deutschland bereits geschieht (Bericht: http://www.janalbrecht.eu/norddeutschland/hamburg/bericht-von-der-anti-fracking-tour-in-den-landkreis-rotenburg-wuemme.html ) und war erschrocken. Die beträchtlichen Risiken für das Grundwasser sind begleitet von enorm ressourcenintensiver Produktion und nicht beherrschbarem Umgang mit den großen Mengen hochbelasteter Abfälle. Erfahrungen aus den USA haben leider bereits häufig gezeigt, dass die Öffentlichkeit wenig transparent angesprochen wird und die Unternehmen, die bei der Erdgasförderung im Fokus stehen, auch in der Vergangenheit mit geringem Verantwortungsbewusstsein und Rücksicht auf das Allgemeinwohl agiert haben.

Ich spreche mich daher entschieden gegen Fracking aus und stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Bei Fragen zur konkreten Terminfindung wenden Sie sich bitte an mein Regionalbüro in Hamburg.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Philipp Albrecht

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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 3 Monate 3 Wochen

Sehr geehrte Frau Aschenbach,

vielen Dank für Ihre Frage. Fracking ist aus meiner Sicht ein unsicheres und riskantes Verfahren. Es stellt langfristig eine große Gefahr für Mensch und Natur dar. Auch die Grünen Fraktion im Europäischen Parlament teilt diese Bedenken und arbeitet ebenfalls zu dem Thema. Beispiele für die weitreichenden schädlichen Folgen sind bereits aus den USA, Polen und Großbritannien bekannt. Das einige Länder das Fracking mittlerweile verboten haben begrüße ich sehr und bedauere, dass es nicht gelungen ist zumindest eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung über die europäische Ebene zu bekommen.

Für eine Disskussion oder Veranstaltung zu diesem Themenbereich stehe ich natürlich gerne zur Verfügung, auch weil Schleswig-Holstein zu den Regionen gehört die ich als Europaabgeordneter vertrete.

Mit freundlichen Grüßen
Jan Philipp Albrecht