Sehr geehrter Herr Balke, was planen Sie persönlich und auch Ihre Fraktion zur Verbesserung der Situation von LGBTQ-Personen in Schleswig-Holstein?

Portrait von Jasper Balke
Jasper Balke
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
100 %
13 / 13 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Benjamin R. •

Sehr geehrter Herr Balke, was planen Sie persönlich und auch Ihre Fraktion zur Verbesserung der Situation von LGBTQ-Personen in Schleswig-Holstein?

Die Zahl der Hassverbrechen steigt erschreckend an, die Dunkelziffer ist sehr hoch, in manchen Regionen (zum Teil sogar in Kiel, z.B. Gaarden) ist es schon gefährlich, mit seinem Partner Hand in Hand durch die Stadt zu laufen.

Portrait von Jasper Balke
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr R.,

bitte entschuldigen Sie vielmals, dass ich Ihre Frage erst jetzt beantworte.

Wer sich beim Händchenhalten zuerst umschauen muss, ob das gerade sicher ist, wird in seiner Freiheit erheblich eingeschränkt. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Das gilt in Gaarden genauso wie in Lübeck oder allen anderen Teilen von Schleswig-Holstein.

Als neuer queerpolitischer Sprecher meiner Fraktion ist mir deshalb in der aktuellen Lage ein umfassender Begriff von Sicherheit wichtig: konsequente Strafverfolgung, erreichbare Ansprechpersonen und wirksamer Schutz vor Gewalt gehören unbedingt dazu. Ebenso wichtig sind jedoch Schulen, Vereine und Arbeitsplätze, an denen Menschen selbstverständlich dazugehören können.

Das Land Schleswig-Holstein hat dafür seit einigen Jahren einen Landesaktionsplan "Echte Vielfalt" aufgelegt, der insbesondere Vernetzung, Aufklärungs- und Bildungsarbeit fördern soll. Mir und uns war es ein großes Anliegen, diesen erfolgreichen Aktionsplan in dieser Legislatur weiterzuentwickeln und an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Mit dem inzwischen vom Kabinett beschlossenen Landesaktionsplan „Echte Vielfalt 2.0“ gehen wir konkrete Schritte. Er umfasst 40 Maßnahmen, darunter zusätzliche Fortbildungen für Lehrkräfte, Landesverwaltung und Polizei. Queerfeindlichkeit soll künftig bei Online-Anzeigen ausdrücklich als Tatmotiv angegeben werden können. Beratungs- und Bildungsangebote wie SCHLAU SH und NaSowas werden fortgeführt. Für den Schutz queerer Einrichtungen und weitere institutionelle Förderung werden unter Haushaltsvorbehalt zusätzliche Mittel bereitgestellt. Die Maßnahmen sind hier im Überblick nachzulesen.

Gerade angesichts der hohen Dunkelziffer müssen Betroffene darauf vertrauen können, bei Polizei und Justiz ernst genommen zu werden. Dafür brauchen wir geschulte Beschäftigte, die Zentrale Ansprechstelle LSBTIQ* der Landespolizei und Beratungsstellen, die Menschen auch bei einer Anzeige begleiten können. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, einen Übergriff als queerfeindlich zu benennen.

Ich setze mich dafür ein, diese Strukturen verlässlich abzusichern, die Umsetzung des Aktionsplans 2.0 politisch zu begleiten und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Themen Bildung und Gesundheit legen. Auch die Aufnahme des ausdrücklichen Schutzes der sexuellen Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes bleibt für mich ein wichtiges Ziel, ebenso wie die angemessene Berücksichtigung in unserer Landesverfassung.

Mit freundlichen Grüßen,
Jasper Balke

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Jasper Balke
Jasper Balke
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Jasper Balke