Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?
Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.
Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.
Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.
Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.
Sehr geehrte Frau K.,
vielen Dank für ihre Frage.
Ich verstehe ihre Sorge nach einer schlechteren Versorgung mit Psychotherapieplätzen durch die Honorarkürzung bei Psychotherapeut*innen.
Die Entscheidungen über die Vergütung wird vom gemeinsamen Bewertungsausschuss der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für die Psychotherapeut*innen und niedergelassenen Ärzte getroffen - in sog. Selbstverwaltung.
Die Festlegung der Gehälter ist also kein Verfahren, auf das die Politik einfach Einfluss ausüben könnte - das ist auch gut so.
Unabhängig von der aktuellen Diskussion ist die Wartezeit für einen Therapieplatz oft viel zu lange. Wir sind uns vollkommen einig, dass keine Maßnahme zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung führen soll und wir die psychotherapeutische Versorgung weiter stärken müssen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Jonas Hoffmann
