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Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters zu, ja oder nein?

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Julia-Christina Stange
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Frage von Björn K. •

Stimmen Sie der automatischen Kopplung des Rentenalters zu, ja oder nein?

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Antwort von Die Linke

Guten Tag Björn K.

vielen Dank für Ihre Frage. Ich lehne eine automatische Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung ab. Diese Verschiebung sendet nicht nur ein falsches Signal, sondern trifft diejenigen am härtesten, die es am meisten brauchen. 

Wenn wir über eine steigende Lebenserwartung reden, reden wir über einen Durchschnitt, der nicht die Lebenswelt aller Menschen abbildet. Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Nach Geschlecht, Region und insbesondere nach dem sozioökonomischen Status. Menschen mit geringem Einkommen oder in körperlich und psychisch belastenden Berufen haben zum Beispiel oft eine geringere Lebenserwartung und gleichzeitig eine schlechtere Gesundheit. Zusätzlich beginnen sie häufig früher zu arbeiten, zahlen sogar länger in die Rentenversicherung ein, und das oft bei kleiner Rente.

Wer gesund, gut bezahlt und bis ins hohe Alter in guten Bedingungen arbeiten kann, mag solch eine Regelung vielleicht weniger treffen. Wer dagegen aber jahrzehntelang auf dem Bau, in der Pflege oder in anderen belastenden Berufen gearbeitet hat, hat oft gar nicht die Möglichkeit, länger zu arbeiten oder die Rente lange zu beziehen. Diese Unterschiede blendet eine Rentenkommission aus, wenn sie vorschlägt, die Regelaltersgrenze an die durchschnittliche Lebenserwartung zu koppeln. Das ist aus unserer Sicht nicht gerecht, sondern verschärft eine bereits bestehende Schieflage. 

Als linke Gesundheitspolitikerin sage ich stattdessen: Statt das Rentenalter pauschal anzuheben, sollten wir eine langfristige Finanzierung der gesetzlichen Rente solidarisch sichern, den Fokus auf gute Arbeitsbedingungen, Gesundheitsprävention und eine höhere Erwerbsbeteiligung legen. Ein gerechtes Rentensystem muss die unterschiedlichen Lebensrealitäten aller Menschen berücksichtigen, anstatt sie zu ignorieren und pauschalisieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Julia-Christina Stange, MdB

Sprecherin für ambulante Versorgung, Frauengesundheit und Ausbildung in Gesundheitsberufen

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