Was tun Sie im Ausschuss für Gesundheit um die katastrophale Lage in der Psychotherapie in Deutschland zu verbessern?
Sehr geehrte Frau Stange,
einen Psychotherapieplatz zu finden, ist enorm schwierig. Das weiß jeder. Dennoch werden die Arbeitsmöglichkeiten für PsychotherapeutInnen weiter eingeschränkt. Was tun Sie in dieser Situation für eine Verbesserung der Versorgungsqualität?
Guten Tag Silvia M.,
vielen Dank für ihre Anfrage.
Schon heute gibt es ein Mangel an Therapieplätzen. Für viele Menschen in psychischen Krisen bedeutet das, unzählige Praxen abzutelefonieren, lange zu warten oder unbehandelt zu bleiben. Schnellen Zugang haben nur Selbstzahler*innen und Privatversicherte. Es muss deshalb allen klar sein, dass die Versorgungskapazitäten nicht ausreichen und sich etwas tun muss.
Die Maßnahmen der Bundesregierung werden die Lage aber verschlechtern und sind ein direkter Angriff auf die psychotherapeutische Versorgung vor Ort und auf Psychotherapeut*innen, die oftmals hochverschuldet in ihr Arbeitsleben starten müssen. Dadurch wird die Versorgungslage noch kritischer – mit fatalen Folgen für Betroffene und ihre Angehörige. Denn je länger Menschen unbehandelt bleiben, desto höher ist das Risiko für eine Verschlechterung, Chronifizierung und Hospitalisierung.
Leider scheint die oberste Priorität der Bundesregierung die Senkung der Arbeitskosten zu sein. Die Auswirkungen auf die Versorgung, die Therapeut*innen und deren Arbeitsbedingungen sind für Merz & Co. nur zweitrangig.
Für uns ist klar: Die Finanzkrise der gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht auf dem Rücken von Menschen ausgetragen werden, die psychisch belastet oder erkrankt sind. Wer Unterstützung braucht, muss sie bekommen - schnell, wohnortnah und bezahlbar. Deshalb brauchen wir mehr Kassensitze für Psychotherapeut*innen, bessere Unterstützung bei der Therapieplatzsuche und eine solidarische Versorgungssteuerung.
Mit freundlichen Grüßen
Julia-Christina Stange, MdB
