Wie wollen Sie die ambulante psychotherapeutische Versorgung sichern, wenn die neue Budgetierung die Praxen finanziell massiv unter Druck setzt?
Frau Stange, Sparmaßnahmen im ambulanten Sektor treffen immer die Schwächsten. Die im Gesetz vorgesehene Budgetierung gefährdet die Existenz kleiner Praxen und verlängert Wartezeiten. Psychische Gesundheit darf keine Frage des Budgets sein. Ich appelliere an Ihre soziale Verantwortung für die Patienten in der sowieso unterversorgten ländlichen Region Hann. Münden.
zum Weiterlesen:
https://www.hna.de/lokales/hann-muenden/hann-muenden-ort60343/psychotherapeutin-warnt-das-wuerde-viel-kaputtmachen-94278092.html
https://couch-und-agora.de/angriff-psychotherapeutische-versorgung-2026/
Sehr geehrte Frau Silvia H.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie Ihre Erfahrung und Ihre Sorge mit mir teilen.
Viele Menschen erleben schon heute, wie schwer es ist, einen Therapieplatz zu bekommen oder überhaupt zeitnah Unterstützung zu erhalten. Umso alarmierender finde ich es, dass ausgerechnet in diesem Bereich über Kürzungen und neue Hürden diskutiert wird. Berechtigterweise weisen Sie auf die regionalen Ungleichheiten hin, die oftmals Menschen in ländlichen Regionen besonders treffen. Wie die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage meines Büros und meiner Fraktion gezeigt hat, bleibt die Koalition Antworten auf die Problematik stetig wachsender Wartezeiten auf Facharzttermine schuldig.
Für mich ist klar: Die Krise der gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht auf dem Rücken von Menschen ausgetragen werden, die psychisch belastet oder erkrankt sind. Aus linker Sicht gilt, was Sie auch in Ihrem Schreiben aufgegriffen haben: Gesundheit ist ein Recht und keine Frage des Geldbeutels. Wer Unterstützung braucht, muss sie bekommen - schnell, verlässlich und bezahlbar.
Die Unterlagen des Zusammenschlusses der Verbände gegen Kürzungen in der Psychotherapie, die mich zu diesem Thema erreicht haben, wie auch die Links auf die Sie verweisen, machen sehr deutlich, dass Einschnitte in die ambulante psychotherapeutische Versorgung keine gute Lösung sind. Wer an dieser Stelle spart, verschärft am Ende oft nur die Probleme - für Betroffene, für Angehörige und für das Gesundheitssystem insgesamt.
Genau deshalb halte ich es für den falschen Weg, bei der psychotherapeutischen Versorgung zu sparen. Menschen in psychischen Krisen brauchen nicht noch mehr Hürden, sondern endlich bessere, erreichbare und verlässliche Hilfen.
Ich setze mich deshalb dafür ein, dass Reformen im Gesundheitswesen sich an den Bedürfnissen der Patient*innen orientieren und nicht an kurzfristigen Sparzielen. Psychische Gesundheit darf nicht nach Kassenlage behandelt werden.
Vielen Dank, dass Sie sich an mich gewandt haben. Solche Zuschriften sind wichtig, weil sie deutlich machen, was politische Entscheidungen im Alltag ganz konkret bedeuten.
Mit freundlichen Grüßen
Julia-Christina Stange, MdB
