Sehr geehrte Frau Höller, ich möchte Sie fragen, wie Sie zu den geplanten Änderungen am MedCanG stehen und ob Sie dies ebenfalls kritisch sehen?
Sehr geehrte Frau Höller,
durch die geplanten Änderungen werden viele Patienten nicht mehr ordentlich versorgt werden können und einige bestimmt wieder den Schwarzmarkt aufsuchen, der dann als einzige Alternative bleibt. Denn die meisten Ärzte sind derart konservativ, dass sie diese Heilpflanze nicht verschreiben wollen. Auch spielen Verträge mit Pharmaunternehmen eine tragende Rolle, weil die natürlich ihre teure und teilweise unnötige Chemie verkaufen wollen. Eine angestrebte finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems ist so nicht möglich. Und es ist ein Unding, dass man immer noch stigmatisiert wird und keinerlei Aufklärung innerhalb der Union stattfindet.
Ich freue mich auf Ihre Reaktion.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit.
Sehr geehrter Herr B.
vielen Dank für Ihre Zuschrift. Uns ist bewusst, dass der Zugang zu medizinischem Cannabis für viele Patient*innen weiterhin mit vielen Hürden verbunden ist, verschärfend im ländlichen Raum.
Insbesondere für chronisch kranke Menschen, die auf medizinisches Cannabis angewiesen sind, ist der Versand durch spezialisierte Apotheken oft der einzig praktikable Weg, das Cannabis regelmäßig ohne allzu große Hürden zu erhalten.
Wir teilen deshalb Ihre Sorge, dass die nun Frau Warken und anderen Unionspolitiker*innen ins Spiel gebrachten Forderungen, wie etwa das Verbot des Versandhandels, erneut zu einer Verschlechterung der Versorgungslage von Cannabis-Patient*innen führen wird. Darüber hinaus stellt die für die Verschreibung notwendige ärztliche Versorgung im ländlichen Raum eine besondere Herausforderung dar.
Grundsätzlich finden wir, wie bereits jetzt Bestandteil der gängigen Praxis, den verpflichtenden persönlichen Erstkontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt sowie die regelmäßige Wiedervorstellung nachvollziehbar, wichtig und richtig. Das weiterhin geltende Kriterium der Austherapiertheit, die vor einer Verschreibung sehr detailliert nachgewiesen werden muss, ist ein Punkt, den wir weiterhin mit Kopfschütteln betrachten und von dem wir uns gewünscht hätten, dass dieser in einem Antrag zur Reform der Regularien rund um Medizinalcannabis einmal angegangen wird. Doch das passiert unter schwarz-rot bisher leider nicht.
Wir sehen daher in den Vorschlägen weniger eine konstruktive Antwort auf bestehende Versorgungsdefizite als vielmehr einen politischen Rückschritt, der unter dem Deckmantel vermeintlichen Missbrauchs auf dem Rücken der Cannabis-Patient*innen ausgetragen wird.
Die pauschale Gleichsetzung von medizinischem Cannabis und nicht-medizinischem Cannabiskonsum ist ganz offensichtlich Grundlage des Gesetzentwurfes der Koalition, sachlich aber aus unserer Sicht in keiner Weise gerechtfertigt. Des Weiteren bewerten wir kritisch, dass sich der Gesetzesentwurf ausschließlich auf Cannabis bezieht und andere – viel gefährlichere Medikamente mit hohem Abhängigkeitspotential – völlig außer Acht lässt.
Aus unserer Sicht braucht es zweierlei: eine nüchterne, evidenzbasierte Diskussion zur Verschreibungs- und Versorgungspraxis von verschreibungspflichtigen Medikamenten jeglicher Art sowie vor allem eine Stärkung der Versorgungsstrukturen. Was es nicht braucht, ist deren Einschränkung.
Worauf es aus unserer Sicht ankommt, ist nicht das „wie“ der Verschreibung, also ob online oder vor Ort, sondern das „wie gut“. Eine qualifizierte telemedizinische Behandlung mit echter ärztlicher Aufklärung und nachvollziehbarer Indikation kann und sollte möglich bleiben. Ein pauschales Verbot von Verschreibungen auf der Basis von Arzt-Patienten-Kontakten, die online stattfinden, wäre ein Rückschritt und würde diejenigen treffen, die wenig andere Möglichkeiten einer Verschreibung haben und Cannabis aus medizinischen Gründen ernsthaft brauchen und verantwortungsvoll nutzen.
Statt die Telemedizin einzuschränken, sollte der Fokus auf der Verbesserung der Versorgung liegen – ohne Patient*innen pauschal unter Generalverdacht zu stellen oder ihnen den Zugang zu legitimer Therapie zu erschweren. Daher werden wir das Thema weiterhin kritisch begleiten und setzen uns für eine realitätsnahe, patientenorientierte Politik beim Thema Medizinalcannabis ein.
Viele Grüße
Julia Höller
