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Was halten Sie von der Neuordnung der Riesterrente mit einer Begrenzung der Kosten auf 1,5 %?

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Katrin Staffler
CSU
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Frage von Stefan B. •

Was halten Sie von der Neuordnung der Riesterrente mit einer Begrenzung der Kosten auf 1,5 %?

Sehr geehrte Frau Staffler. Die Riester-Rente ist gescheitert und war allenfalls ein Glücksfall für die Banken und Versicherungen. Herr Klingbeil plant nun für den Nachfolger eine Kostenbremse von 1,5%. Ich halte dies für viel zu hoch! Der schwedische Staatsfonds für die Rente, an dem Banken und Versicherungen keinen Cent verdienen, hat eine Kostenquote von 0,07%!

Beispiel: ein junger Mensch legt 10 000 Euro in einem Alter von 20 Jahren für 45 Jahre mit 6,5 % Rendite pro Jahr an (bei Anlage in ETFs durchaus realistisch).

Rechnung nach Klingbeil (Rest-Rendite=6,5%-1,5%=5,0%):

10000*1,05^45= 89.850 Euro nach 45 Jahren

Rechnung nach schwedischem Staatsfonds(Rest-Rendite=6,5%-0,07%=6,43%):

10000*1,0643^45= 165.151 Euro nach 45 Jahren

Ich kann keinen Bundestagsabgeordneten mehr verstehen, der so einem Banken-/Versicherungs-Förderplan zustimmt! Wie stehen Sie dazu? Werden Sie dem Plan zustimmen oder sind Sie für einen Staatsfonds ähnlich wie bspw. in Schweden?

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Antwort von CSU

Sehr geehrter Herr B.

herzlichen Dank für Ihre Nachricht und die ausführliche Darstellung Ihrer Sorgen zur künftigen Ausgestaltung der privaten Altersvorsorge.

Zunächst möchte ich betonen, dass der Referentenentwurf der Bundesregierung erst seit wenigen Tagen vorliegt. Er befindet sich weiterhin im Verantwortungs- und Einflussbereich der Bundesregierung. Für die parlamentarische Beratung warten wir daher auf den endgültigen Regierungsentwurf. Ich kann ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt nur meine vorläufigen Einschätzungen mitteilen.

Die Frage der Reduzierung von Verwaltungs-, Produkt- und Abschlusskosten ist für uns als CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein wichtiges Anliegen. Dieses Ziel haben wir auch gemeinsam mit der SPD bewusst im Koalitionsvertrag verankert. Hohe Kosten sind ein zentraler Grund, warum die Riester-Rente in ihrer bisherigen Form für viele Menschen unattraktiv war. Hier muss etwas passieren.

Ihr Vergleich mit dem schwedischen Staatsfonds zeigt, wie stark sich Kosten über viele Jahrzehnte auswirken. Allerdings ist der direkte Vergleich nur eingeschränkt möglich: Schweden arbeitet seit vielen Jahren mit einem Opt-out-Modell, in dem praktisch alle Bürgerinnen und Bürger automatisch im Staatsfonds sparen, sofern sie sich nicht aktiv dagegen entscheiden. Allein durch diese enorme Größe, die zentralen Strukturen und den Wegfall von Abschluss- und Vertriebskosten können dort extrem niedrige Kosten realisiert werden.

Grundsätzlich unterstützen wir die geplante Frühstart-Rente und die stärkere Betonung finanzieller Bildung. Das soll ein zentraler Baustein der Reform sein: Menschen zu befähigen, selbstbestimmt und informiert gute Anlageentscheidungen zu treffen.

Wichtig ist auch, dass es dem derzeitigen Referentenentwurf zufolge auch in Deutschland möglich wäre, in sehr einfache und kostengünstige Produkte, wie etwa Indexfonds/ETFs, zu investieren. Diese Produkte entsprechen genau jenen Anlagen, in die viele junge Menschen heute schon selbstständig investieren und die bereits jetzt sehr niedrige Kostenstrukturen aufweisen. Der geplante Kostendeckel von 1,5 % ist tatsächlich als Deckel vorgesehen, was bedeutet, dass nicht jeder Anbieter diesen ausschöpfen wird. Wir gehen davon aus, dass für Standardprodukte der Wettbewerb zu deutlich niedrigeren Kosten führen wird.

Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass manche Sparerinnen und Sparer bewusst komplexere Produkte wünschen, etwa mit zusätzlicher Absicherung. Solche Angebote verursachen naturgemäß höhere Kosten.

Herzliche Grüße

Katrin Staffler 

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