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Guten Tag Herr Hopp, Warum wird der Wunsch nach Erhalt des Berliner SEZ ignoriert und was soll der Abriss des Berliner SEZ kosten?

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Marcel Hopp
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Frage von Juliane v. •

Guten Tag Herr Hopp, Warum wird der Wunsch nach Erhalt des Berliner SEZ ignoriert und was soll der Abriss des Berliner SEZ kosten?

Ich bin gegen den Abriss des SEZ.

Der Bezirk Friedrichshain hat schon heute eine der höchsten Einwohnerdichten in ganz Europa und ist bei der sozialen Infrastruktur unterversorgt. Zusätzlicher Wohnungsbau an dieser Stelle verschärft dieses Defizit. Eine zusätzliche Verdichtung durch Wohnungsbau ist auf dem Gelände des Volksparks nicht sinnvoll.

Der Abriss des SEZ ist mit enormen Kosten und der Vernichtung bestehender baulicher Ressourcen verbunden. Abriss und Neubau führen zu einem hohen ökologischen Fußabdruck und sind mit Berlins Klimazielen nicht vereinbar.

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau von B.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Zunächst möchte ich klarstellen: Der Wunsch nach einem Erhalt des SEZ wird nicht ignoriert. In den vergangenen Jahren wurde intensiv geprüft, ob eine Weiternutzung oder Sanierung möglich und sinnvoll ist. Dabei hat sich gezeigt, dass das Gebäude seit vielen Jahren leer steht, in einem sehr schlechten baulichen Zustand ist und eine Wiederinbetriebnahme als Schwimmbad oder Freizeitbad wirtschaftlich und technisch kaum realisierbar wäre. Ein Erhalt würde daher zunächst vor allem den Fortbestand eines stark geschädigten Gebäudes bedeuten, ohne dass dort kurzfristig wieder ein öffentlich nutzbares Bad entstehen könnte.

Hinzu kommt die Vorgeschichte: Das SEZ wurde Anfang der 2000er Jahre für einen symbolischen Preis an einen privaten Investor verkauft, der sich verpflichtet hatte, den Badebetrieb wieder aufzunehmen. Da diese Verpflichtung nicht erfüllt wurde, konnte das Land Berlin das Grundstück nach einem langen Rechtsstreit erfolgreich zurückerlangen. Damit besteht nun erstmals seit vielen Jahren die Möglichkeit, das Areal wieder im öffentlichen Interesse zu entwickeln.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM) plant dort gemeinsam mit dem Land Berlin ein neues Quartier mit rund 650 Wohnungen für bis zu etwa 1.500 Menschen, einer Schule sowie Gewerbe-, Sport- und sozialen Nutzungen. Etwa die Hälfte der Wohnungen soll geförderter Wohnraum werden. Darüber hinaus sind Nahversorgung, sozialräumliche Angebote sowie Grün- und Aufenthaltsflächen vorgesehen. Das Quartier soll weitgehend autofrei entwickelt werden.

Vor dem Hintergrund des sehr angespannten Berliner Wohnungsmarktes und des dringenden Bedarfs an sozialer Infrastruktur halte ich diese Entwicklung für sinnvoll und notwendig. Neben dem verständlichen Wunsch nach Erhalt des SEZ gibt es in der Stadt einen ebenso berechtigten Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum, Schulplätzen und öffentlichen Einrichtungen. In der politischen Abwägung müssen beide Interessen berücksichtigt werden.

Zu Ihrer Frage nach den Abrisskosten: Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand liegen noch keine abschließend veröffentlichten Gesamtkosten allein für den Abriss vor. Die Kosten sind Teil der Gesamtentwicklung des Areals durch die WBM. Sobald hierzu belastbare Zahlen öffentlich vorliegen, sollten diese selbstverständlich transparent gemacht werden.

Dem Vorschlag, prägende bauliche Elemente des SEZ zu sichern und teilweise an anderer Stelle weiterzuverwenden – etwa im geplanten Kombibad in Marzahn-Hellersdorf – stehe ich offen gegenüber. Ebenso kann ich mir vorstellen, dass einzelne bauliche Elemente oder Erinnerungsorte in das neue Quartier integriert werden. Eine Wiederaufnahme des Schwimmbadbetriebs am bisherigen Standort halte ich jedoch aus den genannten Gründen für nicht realistisch.

Mit freundlichen Grüßen
Marcel Hopp

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