Wie bewerten Sie die Privatisierung des Jüdischen Krankenhauses? Warum kam angesichts der bedeutsamen Historie nicht Vivantes oder Charité zum Zug? Werden Sie die Entwicklung kritisch begleiten?
Die private Übernahme des Jüdischen Krankenhauses sehe ich zunächst skeptisch. Ich hätte es begrüßt, wenn Vivantes oder die Charité als öffentliche Träger zum Zug gekommen wären. Gerade bei einem Krankenhaus mit dieser besonderen Bedeutung hätte ich mir eine öffentliche Lösung sehr gut vorstellen können.
Gleichzeitig muss man sich die Bedingungen anschauen, unter denen die Übernahme erfolgt. Positiv ist, dass der neue Träger den bisherigen Umfang der medizinischen Leistungen und das Personal erhalten will. Auch die Identität des Jüdischen Krankenhauses soll gewahrt bleiben. Damit wären auch die mehr als 800 Arbeitsplätze gesichert. Deren Erhalt war mir schon immer wichtig.
Als z.B. im Jahr 2024 zahlreiche Pflegehelfer*innen ohne formellen Berufsabschluss aufgrund der geänderten Rechtslage auf Bundesebene vor der Kündigung standen, haben wir in Kooperation mit der Senatsverwaltung und der Klinikleitung eine Lösung erarbeitet. Den Betroffenen wurden Qualifizierungsmaßnahmen zur Pflegefachassistenz angeboten. Dadurch konnten die Stellen weiter über das Pflegebudget bei den Krankenkassen abgerechnet werden und die Lebensgrundlage vieler Menschen gesichert werden. Wichtig ist für mich immer, die Lebensleistung von Menschen zu sehen. Zudem konnte wir auf diesem Weg die wertvolle Berufserfahrung auf den Stationen halten, was wiederum den Patient*innen zugute kommt.
Entscheidend ist für mich immer, dass Zusagen auch langfristig eingehalten werden. Wenn die medizinische Versorgung, die Arbeitsplätze und die jüdische Identität des Hauses dauerhaft gesichert bleiben, sehe ich die Übernahme als gangbare Lösung. Ich werde die weitere Entwicklung trotzdem kritisch und sehr aufmerksam weiter begleiten.
