Wie stehen Sie zum Einsatz des Haber Verfahrens bei Kulturpreisen und Kulturförderungen durch das BKM und Herrn Kultustaatsminister Weimer?Insbesondere im Hinblick auf den deutschen Buchhandlungspreis
Wie die SZ vor einigen Tagen berichtete, wurden alle nominierten Buchhandlungen zum dt. Buchhandlungspreis geheimdienstlich durchleuchtet. Dies führte zum Eingriff in die unabhängige juryarbeit und zum Ausschluss der drei Buchhandlungen
Golden Shop, Rote Straße und Buchladen zur schwankenden Weltkugel.
Es geht nicht darum, Verfassungsfeinde auszuzeichnen.
Dass staatliche Preise an rechtsstaatliche Grundsätze gebunden sind, ist selbstverständlich.
Aber genau deshalb ist das aktuelle Vorgehen so problematisch: Es wird mit „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ argumentiert, ohne konkrete, überprüfbare Gründe offenzulegen.
Hier wird öffentlich mit dem Etikett „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ gearbeitet, ohne dass konkret benannt wird, was damit gemeint ist – und ohne dass nachvollziehbar wäre, warum die drei Buchhandlungen überhaupt erwähnt werden.
Halten Sie unter diesen Umständen Herrn Weimer für noch tragbar? Und sollte er ihrer Meinung nach zurücktreten?
Sehr geehrter Herr S., lieber R.,
ich muss vorab um Nachsicht bitten: konzentriert auf den Wahlkampf in BW habe ich weder die Sache mitbekommen, noch war mir das Haber-Verfahren bis dato bekannt (ich kannte allerdings das Haber-Bosch-Verfahren aus der Ausstellung des Museums für Brot und Kunst).
Aber in der Sache: ich finde den Ansatz falsch, ein Verfahren, welches der Absicherung der staatlichen Zuschüsse dient (und eine Berechtigung hat im originären staatlichen Handeln!) anzuwenden, um die Entscheidung einer künstlerischen Jury außer Kraft zu setzen. Das ist mE Bevormundung und Eingriff in Kunstfreiheit.
Etwaige Erkenntnisse hätten, sofern sie belastbar sind, der Jury in geeigneter Form vorab zugehen müssen, dürfen aber eben nicht dazu verwendet werden, die Arbeit der Jury zu entwerten.
Bei Rücktrittsforderungen bin ich immer vorsichtig, und als Landespolitiker gegenüber der Bundespolitik erst recht. Meine Erwartung ist, dass der Staatsminister seine Entscheidung revidiert.
Reicht die Antwort in der Kürze?
Herzlichst,
Michael.
