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Wie wollen Sie Versorgungssicherheit für Psychotherapie sichern?

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Muhterem Aras
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Julia S. •

Wie wollen Sie Versorgungssicherheit für Psychotherapie sichern?

Sehr geehrte Frau Aras,
Ich bin niedergelassene Psychotherapeutin mit hälftigem Versorgungsauftrag in Stuttgart. In meiner Praxis behandle ich zu 98% gesetzlich versicherte Patienten:innen. Schon jetzt sind die Wartezeiten unsagbar lang. Patienten:innen warten 12 Monate oder länger auf einen Therapieplatz. Die Honorarkürzung wird diese Lage noch verschlimmern. Wenn ich als Selbstständige mit derart kurzfristigen Kürzungen auf der Basis nicht nachvollziehbarer Argumente jährlich rechnen muss, bin ich gezwungen mehr Privatpatienten zu behandeln oder Selbstzahlerangebote zu machen. Bei 98% GKV Patienten:innen sind 4.5% Honorarkürzung schmerzhaft, 10% wie gefordert wären fatal.
Wie wollen Sie Versorgungssicherheit sichern, wo Fachärzte kaum existent sind und auch psychiatrische Institutsambulanzen Aufnahmestopp haben?
Ich freue mich über eine Antwort. Mit freundlichen Grüßen J. S.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Ich teile Ihre Sorge. Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11.03.2026 ist in der aktuellen Situation das falsche Signal. Eine Kürzung um 4,5 % trifft einen Bereich, der bereits jetzt mit langen Wartezeiten, steigender Nachfrage und großem wirtschaftlichem Druck zu kämpfen hat.

Das Risiko ist klar: Wenn sich die Behandlung gesetzlich Versicherter weiter verschlechtert, entstehen Fehlanreize – und die Versorgungslage spitzt sich weiter zu. Das kann nicht in unserem Interesse sein.

Gleichzeitig sind meine direkten Einflussmöglichkeiten begrenzt. Honorarfragen sind Teil der Selbstverwaltung, eine unmittelbare politische Steuerung ist hier nicht vorgesehen.

Umso wichtiger ist es, strukturell anzusetzen. Auf Bundesebene braucht es dringend eine neue Bedarfsplanung. Pauschale Kürzungen lösen die bestehenden Probleme nicht.

In Baden-Württemberg haben wir im stationären Bereich zusätzliche Kapazitäten gesichert. Im ambulanten Bereich unterstützen wir u. a. den Ausbau interdisziplinärer Versorgungsstrukturen wie Primärversorgungszentren und Medizinische Versorgungszentren.

Mir ist bewusst, dass das die Situation noch nicht ausreichend löst. Wir werden hier weiter nachsteuern müssen.

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