Wie wichtig ist digitale Souveränität für die Wahrung der nationalen Interessen und zur Sicherung internationaler Zusammenarbeit?
Digitale Souveränität ist heute von zentraler Bedeutung für die Wahrung nationaler Interessen, wird jedoch in der politischen Praxis häufig nur rhetorisch beschworen, während reale Abhängigkeiten weiter zunehmen.
Staaten, die ihre digitalen Schlüsseltechnologien, etwa bei Cloud‑Infrastrukturen, Betriebssystemen, Kommunikationsplattformen, Navigationssystemen, Halbleitern oder Künstlicher Intelligenz, nicht selbst kontrollieren, geben faktisch Teile ihrer politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit aus der Hand. Nationale Interessen lassen sich unter solchen Bedingungen nur eingeschränkt wahren, da Datenströme, Entscheidungslogiken und kritische Infrastrukturen zunehmend von außereuropäischen Konzernen und fremden Rechtsordnungen bestimmt werden.
Gleichzeitig wird digitale Abhängigkeit oft fälschlich mit internationaler Zusammenarbeit verwechselt. Internationale Kooperation setzt Augenhöhe voraus. Wer jedoch technologisch abhängig ist, kooperiert nicht, sondern passt sich an. Digitale Souveränität ist daher keine Abschottung, sondern die Voraussetzung für stabile, verlässliche und faire internationale Zusammenarbeit.
Problematisch ist zudem, dass unter dem Deckmantel von Globalisierung und Effizienz strategische Fähigkeiten ausgelagert wurden, ohne langfristige Risiken ausreichend zu berücksichtigen. Dies zeigt sich besonders deutlich in sensiblen Bereichen wie Verwaltung, Verteidigung, Energie, Verkehr und kritischer Infrastruktur.
Ohne echte digitale Souveränität droht Staaten:
– der Verlust der Kontrolle über eigene Daten,
– eingeschränkte politische Entscheidungsfreiheit,
– wachsende Erpressbarkeit in geopolitischen Konflikten,
– sowie eine dauerhafte technologische Abhängigkeit.
Digitale Souveränität ist kein Luxusprojekt, sondern eine strategische Notwendigkeit. Wer sie vernachlässigt, gefährdet nicht nur nationale Interessen, sondern auch die Glaubwürdigkeit und Stabilität internationaler Zusammenarbeit. Internationale Partnerschaft funktioniert dauerhaft nur zwischen souveränen Akteuren – nicht zwischen Abhängigen und Abhängigkeitsverwaltern.
