Sind Sie für die Koppelung der durchschnittl. Lebenserwartung an das Renteneinstiegsalter? Falls ja, wie wird das Pendant dafür unter den Beamten und sonstigen nicht-rv-pflichtigen AN dargestellt?
Sehr geehrte Frau S.,
Vielen Dank, dass Sie dieses wichtige Thema ansprechen.
Ich sehe die automatische Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung kritisch. Die Lebenserwartung entwickelt sich je nach Einkommen, Bildungsstand und Beruf sehr unterschiedlich. Gerade Menschen in körperlich oder psychisch besonders belastenden Berufen würden durch eine pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters überproportional belastet. Deshalb setzen wir Grüne auf eine verlässliche und solidarische Alterssicherung statt auf einen Automatismus, der soziale Unterschiede außer Acht lässt.
Unser Ziel ist es, das Rentenniveau zu stabilisieren, Altersarmut wirksam zu bekämpfen und die gesetzliche Rentenversicherung langfristig finanziell tragfähig zu machen. Dazu gehören unter anderem eine Stärkung der Einnahmeseite, bessere Erwerbschancen sowie mehr Flexibilität beim Übergang in den Ruhestand – nicht jedoch eine starre Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung.
Zu Ihrem zweiten Punkt: Sollten Änderungen am Renteneintrittsalter diskutiert werden, muss selbstverständlich auch die Frage der Versorgungssysteme außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung mitgedacht werden. Unterschiedliche Alterssicherungssysteme sollten nachvollziehbar und gerecht ausgestaltet sein. Die Beamtenversorgung folgt allerdings anderen verfassungsrechtlichen Grundlagen als die gesetzliche Rentenversicherung, sodass sich Regelungen nicht eins zu eins übertragen lassen. Umso wichtiger ist es, Reformen stets unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit und der Gleichbehandlung verschiedener Erwerbsbiografien zu betrachten.
Vielen Dank nochmals für Ihre E-Mail.
Mit freundlichen Grüßen,
Robin Wagener
