Liebe Frau Borchardt, haben Sie denn auch mal mit Mitarbeiter:innen aus den KVen oder mit niedergelassenen Psychotherapeutinnen gesprochen und sich ein Bild vom Praxisalltag gemacht?
Über 75% der Psychptherapeut:innen sind Frauen, viele sind auch Mütter und tragen eine hohe finanzielle Verantwortung.
Der Praxisalltag ist herausfordernd und es bedarf finanziell sichere Strukturen. Diese werden massiv angegriffen. Würden Sie ihren Beruf weiter ausüben bei Unklarheit darüber, was sie am Ende herausbekommen?
Ja, ich stehe mit unterschiedlichen Akteuren des Gesundheitswesens im Austausch, auch mit Vertreterinnen und Vertretern aus der ambulanten Versorgung. Dazu gehören Gespräche mit Leistungserbringern, Verbänden, Selbstverwaltung und Betroffenen. Mir ist bewusst, dass der Praxisalltag in der psychotherapeutischen Versorgung anspruchsvoll ist und dass viele niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine hohe fachliche, organisatorische und finanzielle Verantwortung tragen.
Gleichzeitig möchte ich klar sagen, dass ich mich zu dieser Frage bereits mehrfach und ausführlich geäußert habe. Die Debatte wird nicht besser, wenn dieselben Punkte immer wieder verkürzt zugespitzt werden. Die Honorierung psychotherapeutischer Leistungen wird nicht unmittelbar durch einzelne Abgeordnete festgelegt, sondern ist Teil der gemeinsamen Selbstverwaltung. Dort müssen Vergütung, Versorgungsauftrag, Bedarfsplanung und Finanzierbarkeit zusammen betrachtet werden.
Natürlich braucht jede Praxis verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das gilt für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ebenso wie für Hausärzte, Fachärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und andere Leistungserbringer. Aber auch die gesetzliche Krankenversicherung steht unter erheblichem finanziellen Druck. Deshalb kann Politik nicht jede berechtigte Sorge einzelner Berufsgruppen isoliert betrachten, sondern muss das Gesamtsystem im Blick behalten.
Mein Anspruch bleibt, dass psychotherapeutische Versorgung erreichbar, qualitativ gut und verlässlich organisiert sein muss. Dazu gehören faire Rahmenbedingungen für Praxen, aber auch eine ehrliche Debatte über Steuerung, Priorisierung und die begrenzten Mittel der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler.
