Label
Was halten Sie von den kostenlosen, ökologischen und regierungsfreundlichen Vorschlägen von „ladefreun.de“? Mit freundlichen Grüßen Friedbert H.

Portrait von Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU
99 %
141 / 142 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Friedbert H. •

Was halten Sie von den kostenlosen, ökologischen und regierungsfreundlichen Vorschlägen von „ladefreun.de“? Mit freundlichen Grüßen Friedbert H.

Web: ladefreun.de

Portrait von Simone Borchardt
Antwort von CDU

Ich sehe es grundsätzlich kritisch, wenn parlamentarische Frageportale dazu genutzt werden, externe Internetseiten und Kampagnen sichtbar zu machen. Selbstverständlich dürfen Bürgerinitiativen politische Vorschläge entwickeln und dafür werben. Das ist legitim. Es sollte dann aber auch klar benannt werden, dass es sich nicht um neutrale Sachinformation handelt, sondern um Interessenvertretung für ein bestimmtes energiepolitisches Modell.

Nach eigener Darstellung fordert „ladefreun.de“, dass öffentliches Schnellladen in Zeiten von Überschussstrom kostenlos werden soll. Die Initiative will dafür § 13k des Energiewirtschaftsgesetzes erweitern und spricht selbst von einer Petition an Bundestag, Bundesregierung und Bundesnetzagentur. Damit ist klar, dass hier ein konkretes politisches Anliegen verfolgt wird.

Inhaltlich bin ich bei solchen Vorschlägen zurückhaltend. „Kostenlos“ klingt gut, ist in der Energiepolitik aber fast nie kostenlos. Stromerzeugung, Netze, Ladeinfrastruktur, Steuerung, Abrechnung und Ausgleichsmechanismen verursachen Kosten. Wenn der Preis an einer Stelle auf null gesetzt wird, verschwinden diese Kosten nicht. Sie werden nur anders verteilt, etwa über Netzentgelte, Umlagen, Steuern oder Belastungen anderer Verbraucherinnen und Verbraucher.

Das Grundproblem liegt tiefer. In Mecklenburg-Vorpommern erleben viele Bürgerinnen und Bürger seit Jahren, dass die Energiewende vor allem über immer mehr Windkraftanlagen sichtbar wird. 2025 wurden im Land 188 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.146 Megawatt genehmigt. Zum Jahresende 2025 befanden sich 374 Anträge mit 1.544 Windenergieanlagen im Verfahren. Das ist kein kleiner Eingriff, sondern eine massive Veränderung für Landschaft, Dörfer, Naturraum und Akzeptanz vor Ort.

Ich halte es für falsch, Energiepolitik fast ausschließlich daran zu messen, wie schnell immer neue Anlagen genehmigt werden. Windenergie kann ein Bestandteil des Energiemixes sein. Sie ist aber keine vollständige Antwort auf Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Sie ist wetterabhängig, braucht Netze, Speicher, Reservekapazitäten und einen funktionierenden Markt. Wer im ländlichen Raum immer neue Anlagen durchsetzt und die Sorgen der Menschen vor Ort als bloßes Hindernis behandelt, verliert Vertrauen.

Gerade Mecklenburg-Vorpommern darf nicht auf die Rolle eines reinen Windstromlandes reduziert werden. Wir brauchen eine Energiepolitik, die technologisch breiter denkt. Dazu gehören Netze, Speicher, moderne Kraftwerkstechnik, Wasserstoff, Geothermie und auch die Forschung an Zukunftstechnologien wie der Kernfusion. Mit Wendelstein 7-X steht in Greifswald die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator. Sie dient ausdrücklich dazu, die Kraftwerkseignung dieses Bautyps zu untersuchen. Der wissenschaftliche Experimentierbetrieb begann 2016.

Das zeigt aus meiner Sicht sehr deutlich, wo Deutschland stärker werden muss. Wir dürfen nicht so tun, als sei der weitere Zubau von Windkraftanlagen schon die ganze Antwort auf die Energiefrage. Fortschritt entsteht nicht allein dadurch, dass wir immer mehr Landschaftsfläche für wetterabhängige Stromerzeugung nutzen. Fortschritt entsteht durch Forschung, Technologieoffenheit, Systemstabilität und wirtschaftliche Vernunft.

Die Vorschläge von „ladefreun.de“ nehme ich daher als Beitrag einer Interesseninitiative zur Kenntnis. Eine überzeugende Lösung für die strukturellen Probleme unserer Energiepolitik sehe ich darin nicht. Energiepolitik muss sicher, bezahlbar, landschaftsverträglich und technologisch zukunftsfähig sein. Genau daran sollten wir sie messen.

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU

Weitere Fragen an Simone Borchardt