Welche Erfahrungen oder Rückmeldungen aus Ihrem Wahlkreis haben Sie zur aktuellen Versorgungssituation in der Psychotherapie erhalten?
Aus meinem Wahlkreis erreichen mich immer wieder Rückmeldungen zur psychotherapeutischen Versorgung. Geschildert werden vor allem lange Wartezeiten, Schwierigkeiten bei der Suche nach einem freien Therapieplatz und die Belastung für Betroffene, die in einer ohnehin schwierigen Lage viele Praxen kontaktieren müssen. Diese Hinweise nehme ich ernst.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede gesundheitspolitische Reform die Lage verschlechtert. Genau diese Schlussfolgerung halte ich für zu kurz gegriffen. Eine angespannte Versorgungslage vor Ort zeigt zunächst, dass das bestehende System bereits heute nicht ausreichend gut funktioniert. Sie ist deshalb kein Argument gegen Reformen, sondern ein Grund, die bestehenden Strukturen kritisch zu prüfen.
Als Wahlkreisabgeordnete nehme ich die konkrete Situation vor Ort auf. Als gesundheitspolitische Sprecherin muss ich zugleich die bundesweiten Rahmenbedingungen betrachten. Diese beiden Aufgaben widersprechen sich nicht. Die Versorgung in meinem Wahlkreis hängt nicht allein von lokalen Faktoren ab, sondern auch von Bedarfsplanung, Zulassungsrecht, Vergütung, Terminsteuerung und der Frage, wie die gesetzliche Krankenversicherung dauerhaft finanzierbar bleibt.
Auch die Kritik von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an geplanten Änderungen ist ernst zu nehmen. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur parlamentarischen Beratung. Sie ersetzt aber nicht die politische Prüfung, ob eine Reform insgesamt geeignet ist, Versorgung verlässlicher zu organisieren. Nicht jede Warnung bedeutet, dass eine Maßnahme am Ende tatsächlich zu schlechterer Versorgung führt. Entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung.
Mir ist wichtig, dass Menschen mit schwerem oder akutem Behandlungsbedarf schneller passende Hilfe erhalten. Dafür braucht es nicht nur mehr Geld, sondern auch bessere Steuerung. Wer psychisch krank ist, darf nicht in unklaren Zuständigkeiten hängen bleiben. Gleichzeitig müssen Angebote so organisiert werden, dass knappe Kapazitäten dort ankommen, wo der Bedarf besonders dringlich ist.
Die Rückmeldungen aus meinem Wahlkreis bestärken mich daher nicht in einem pauschalen Nein zu Reformen. Sie bestärken mich darin, sehr genau auf die Folgen für die Versorgung zu achten. Eine Reform muss daran gemessen werden, ob sie den Zugang verbessert, Fehlsteuerungen abbaut und die psychotherapeutische Versorgung nicht zusätzlich belastet.
Eine schwierige Versorgungslage vor Ort und der Anspruch, das System zu reformieren, stehen nicht im Widerspruch. Der eigentliche Widerspruch wäre, die Probleme zu erkennen und trotzdem am Status quo festzuhalten.
