Wie soll man sich noch ein zweites Kind leisten?
Sehr geehrte Frau Tauschwitz,
Mein Name ist Jan G., ich bin 34 Jahre alt und Vater eines 18 Monate alten Sohnes. Meine Partnerin und ich planen eigentlich momentan ein zweites Kind zu bekommen, was unser sehnlichster Wunsch ist. Mit Bestürzung haben wir von den geplanten Änderungen des Elterngeldes erfahren. Es ist zwar gut, dass der Betrag nach Jahrzehnten (und ohne sämtliche Inflationsausgleiche etc.) erhöht wird, allerdings ist die Änderung der zeitlichen Auszahlung ein massives Problem.
Das beide Partner ein gleiches Einkommen haben ist nur selten der Fall. Ich als Hauptverdiener (Soldat, meine Partnerin arbeitet in der Pflege) hätte immense Einbußen bei 3 Monaten Elterngeld. Auch wenn das Kind mit 9 Monaten in die Krippe geht, damit die Mutter endlich wieder arbeiten kann, kostet das bei uns 250-350€ im Monat.
Wir hätten gerne ein zweites Kind wissen aber nicht wie wir das finanzieren sollen wenn die Reform kommt.
Mit freundlichen Grüßen
Ein enttäuschter Vater
Jan G.
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank, dass Sie sich mit Ihrem Anliegen über die Online-Plattform Abgeordnetenwatch an mich gewandt und vertrauensvoll Ihre persönliche Situation geschildert haben. Sie sprechen völlig zu Recht an, dass persönliche Entscheidungen, wie etwa die Planung eines zweiten Kindes, nicht durch politische Vorhaben belastet werden dürfen. Wer Beruf, Kinderbetreuung und steigende Lebenshaltungskosten miteinander vereinbaren muss, verdient politische Unterstützung und keine neuen Hürden.
Die jüngsten Ankündigungen von Bundesfamilienministerin Karin Prien sind aus meiner Sicht ein wichtiges Signal für den Erhalt eines starken und verlässlichen Elterngeldes. Die Ministerin hat deutlich gemacht, dass die ursprünglich geplanten Sparmaßnahmen noch einmal grundlegend geprüft werden sollen – unter anderem sie auch für die Beibehaltung der 14 Monate Elterngeld offen. Das halte ich für richtig. Die Möglichkeit, die 14 Monate flexibel zwischen den Eltern aufzuteilen, entspricht der Lebensrealität vieler junger Familien und bietet gerade in den ersten Lebensmonaten eines Kindes den notwendigen finanziellen Rückhalt. Die Wahlfreiheit für Familien soll erhalten bleiben.
Gerade Ihre persönliche Schilderung macht deutlich, warum diese Flexibilität so wichtig ist. Wenn beide Elternteile ein vergleichbares Einkommen haben und sich Betreuung und beruflichen Wiedereinstieg entsprechend ihrer persönlichen Situation aufteilen, können Veränderungen bei der zeitlichen Ausgestaltung des Elterngeldes erhebliche finanzielle Folgen haben. Das Elterngeld leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass junge Menschen Beruf und Familiengründung miteinander vereinbaren können.
Ihre Kritik und Anregungen habe ich an meine fachlich zuständigen Kollegen weitergegeben. Ich halte es für wichtig, dass bei den weiteren Beratungen die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen auf Familien mit unterschiedlichen Einkommen und Betreuungsmodellen berücksichtigt werden.
Vielen Dank nochmals für Ihre offenen und konkreten Hinweise. Ich werde mich im weiteren parlamentarischen Verfahren dafür einsetzen, dass wir zu einer praxistauglichen und familienfreundlichen Lösung kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Vivian Tauschwitz MdB
