Wie stehen Sie dazu, dass durch "just in time" vor allem den (Auto-) Konzernen die Teile ausgehen/fehlen und der Staat Millionen an Kurzarbeitergeld an die Mitarbeiter bezahlt?

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Annette Widmann-Mauz
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Wie stehen Sie dazu, dass durch "just in time" vor allem den (Auto-) Konzernen die Teile ausgehen/fehlen und der Staat Millionen an Kurzarbeitergeld an die Mitarbeiter bezahlt?

Sehr geehrter Frau Widmann-Mauz
meiner Meinung nach sind dies (siehe meine Frage) schwerwiegende Verfehlungen bezüglich des wirtschaftlichen Handeln auf Kosten des Staates, wie kann dies sein? Wollen sie dagegen etwas unternehmen? Wenn ja, was?
Danke Ihnen

Frage von Michael G. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen 3 Tage

Sehr geehrter Herr G.,

die Engpässe in den globalen Lieferketten machen der Autoindustrie und vielen anderen Branchen aktuell zu schaffen. Zwar hat die Branche mit steigenden Absatz-, Umsatz- und Gewinnzahlen das Tal der Corona-Krise hinter sich gelassen. Doch die Lage bleibt gespannt. Denn es fehlt an Teilen und Komponenten.

Vor allem Halbleiter sind aktuell sehr knapp. Hierbei handelt es sich aber um eine globale Knappheit, die nicht nur bei deutschen Automobilherstellern, sondern auch bei Herstellern in anderen Ländern zu Produktionsstopps führt.

Um Kündigungen in solchen Phasen zu vermeiden, halte ich das Kurzarbeitergeld für ein sehr wirksames und nachhaltiges Instrument. Die Alternative wäre, dass Unternehmen gut ausgebildete und eingearbeitete Mitarbeiter entlassen müssen. Wenige Wochen später müssten sie wieder neue Mitarbeiter einstellen und zunächst in deren Einarbeitung investieren. Die zuvor gekündigten Mitarbeiter kämen in den Sozialleistungsbezug und müssten zwischenzeitlich gegebenenfalls umgeschult werden. Dies würde mittel- und langfristig deutlich höhere Staatsausgaben nach sich ziehen und wäre volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Der Mehrwert des Kurzarbeitergeldes hat sich gerade in der Corona-Pandemie erwiesen. Im internationalen Vergleich hat sich kaum ein anderer Arbeitsmarkt als so robust gezeigt wie der deutsche Arbeitsmarkt.

Zur mittel- und langfristigen Lösung der Problematik fehlender Komponenten für die Autoindustrie geht es aber vor allem darum, die Produktion beispielsweise von wichtigen Mikrochips in Europa deutlich ausweiten. Ziel muss sein, mehr technologische Souveränität zu erlangen und Abhängigkeiten zu verringern. Vor wenigen Tagen hat der deutsche Konzern Infineon mit der Eröffnung seines neuen Werks zur Produktion der dringend benötigten Chips genau das richtige Signal dafür gesetzt.

Darüber hinaus befindet sich die Bundesregierung aber auch im Gespräch mit großen ausländischen Investoren. Europas Marktanteil an der weltweiten Chipproduktion soll bis 2030 auf 20 Prozent verdoppelt werden. Dies bedeutet wegen der gleichzeitig stark steigenden weltweiten Produktion eine Verdrei- oder Vervierfachung der Produktion in Deutschland. Geplant ist auch ein zweites europäisches Großprojekt, für welches die Bundesregierung bisher rund drei Milliarden Euro an Fördermitteln im Haushalt eingeplant hat.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Annette Widmann-Mauz

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