Können Sie sich bitte gegen Beschlüsse, die die ambulante psychische Versorgung kürzen stellen? Als angehende Therapeutin, Wissenschaftlerin und Dozentin beobachte ich die Kürzungspläne mit Entsetzen.
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre wichtige Nachricht. Um Ihre Frage direkt und unmissverständlich zu beantworten: Ja, ich stelle mich den geplanten Kürzungen im Bereich der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung entschieden entgegen. Ich teile Ihr Entsetzen über diese Kürzungspläne voll und ganz. Als angehende Therapeutin, Wissenschaftlerin und Dozentin wissen Sie aus der Praxis, wie fatal dieses Vorhaben ist. Wer ausgerechnet an der ambulanten Psychotherapie kürzt, handelt fachlich falsch, sozial blind und ökonomisch kurzsichtig. Es ist geradezu absurd, denn eine ambulante Therapiesitzung kostet die Solidargemeinschaft einen Bruchteil dessen, was ein stationärer psychiatrischer oder psychosomatischer Aufenthalt pro Tag verschlingt. Wer die ambulanten Praxen – die ohnehin schon mit massiv gestiegenen Fixkosten zu kämpfen haben – durch die geplante Honorarabsenkung des Bewertungsausschusses nun wirtschaftlich noch weiter unter Druck setzt, produziert am Ende mehr Leid, längere Krankheitsverläufe und weitaus höhere Folgekosten. Was daraus folgen wird, sind noch längere Wartezeiten, spätere Behandlungsbeginne und die bittere Konsequenz, dass immer mehr Menschen aus purer Not in ein Zwei-Klassen-System aus Selbstzahlung und Privatangeboten gedrängt werden.
Das dürfen wir nicht zulassen!
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen endlich so verändert werden, dass die psychotherapeutische Versorgung nicht weiter kleingerechnet, sondern am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet wird.
Mit solidarischen Grüßen
Clara Bünger
