Wie stehen Sie zum Vorschlag von Herrn Merz, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, obwohl dieser Ansatz völlig an der Lebensrealität der arbeitenden Menschen vorbeigeht?
Sehr geehrter Herr Hagemeier,
ich wende mich mit großer Sorge an Sie. Die aktuelle Debatte über eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung empfinde ich als realitätsfern. Viele Menschen können ihren Berufsalltag – sei es aus körperlichen oder psychischen Gründen – bereits heute kaum bis zum derzeitigen Renteneintrittsalter durchstehen.
Ein solcher Reformansatz ignoriert die tatsächlichen Lebensbedingungen und Belastungen der Beschäftigten. Daher möchte ich von Ihnen wissen: Unterstützen Sie diesen Vorschlag, oder setzen Sie sich dafür ein, dass wir stattdessen Lösungen finden, die die Lebenswirklichkeit der Menschen tatsächlich berücksichtigen?
Ich bitte um eine klare Positionierung zu diesem für mich existenziellen Thema.
Mit freundlichen Grüßen
A. P. W.
Sehr geehrte Frau P.,
vielen Dank für Ihre Frage und die damit verbundene sehr persönliche Sorge.
Ich kann gut nachvollziehen, dass die Debatte über das Renteneintrittsalter viele Menschen bewegt. Wer über Jahrzehnte gearbeitet hat, wer körperlich oder psychisch belastet ist oder wer in einem besonders anstrengenden Beruf tätig war, erwartet zu Recht, dass politische Entscheidungen die tatsächliche Lebens- und Arbeitswirklichkeit der Menschen berücksichtigen.
Für mich ist deshalb klar: Eine gute Rentenpolitik verbindet die langfristige Finanzierbarkeit unseres Rentensystems mit einem genauen Blick auf die Lebensleistung, die Gesundheit und die beruflichen Belastungen der Menschen. Die steigende Lebenserwartung ist dabei ein wichtiger Faktor. Ebenso wichtig ist aber, wie Menschen tatsächlich arbeiten, wie belastend ihre Tätigkeit ist und ob sie gesundheitlich in der Lage sind, länger im Beruf zu bleiben.
Ich halte es für richtig, offen über die Zukunft der gesetzlichen Rente zu sprechen. Unser Rentensystem muss auch für kommende Generationen verlässlich und finanzierbar bleiben. Dazu gehört Ehrlichkeit über demografische Entwicklungen ebenso wie der Blick auf Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, Rentnerinnen und Rentner sowie die junge Generation.
Eine gute Reform muss die Lebensrealität der arbeitenden Menschen ernst nehmen. Flexible Übergänge, der Schutz gesundheitlich belasteter Menschen, Erwerbsminderungsregelungen, berufliche Belastungen und die Möglichkeit eines würdevollen Renteneintritts gehören deshalb zu einer verantwortungsvollen Rentenpolitik dazu. Wer nach einem langen Arbeitsleben nicht mehr arbeiten kann, braucht Verlässlichkeit und Respekt.
Ich setze deshalb auf eine Rentenpolitik, die finanzielle Stabilität, Generationengerechtigkeit und die konkrete Lebensleistung der Menschen zusammenbringt. Die gesetzliche Rente muss verlässlich bleiben und zugleich die Menschen im Blick behalten, die körperlich, psychisch oder beruflich besonders belastet sind. Daher sollte eine Rentenreform neben der allgemeinen demographischen Entwicklung auch die gesundheitliche Belastung und die tatsächliche Erwerbsbiografie stärker berücksichtigen.
Mit freundlichen Grüßen
D. Hagemeier MdL
