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Stimmen Sie für die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung? Und wenn ja, wie können Sie das verantworten?

Hanna Steinmüller
Hanna Steinmüller
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Maiximilian M. •

Stimmen Sie für die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung? Und wenn ja, wie können Sie das verantworten?

Hanna Steinmüller
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Lieber Herr M.

Danke für Ihre Anfrage zu diesem sehr aktuellen Thema. Die pauschale Koppelung des Rentenalters ist auch eine soziale Frage, die viele Faktoren berücksichtigen muss.  

Ein solcher Automatismus mag auf den ersten Blick logisch wirken, würde aber den sehr unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsrealitäten vieler Menschen nicht gerecht. Schon heute erreichen viele Beschäftigte das reguläre Rentenalter nur unter großen gesundheitlichen Belastungen oder gar nicht. Wer jahrzehntelang körperlich oder psychisch stark gefordert gearbeitet hat, darf am Ende nicht dadurch benachteiligt werden, dass das Rentenalter immer weiter nach oben gesetzt wird. 

Eine Politik, die längeres Arbeiten fordert, muss dafür sorgen, dass längeres Arbeiten überhaupt realistisch möglich ist (mehr dazu hier). Dazu gehören bessere Gesundheitsprävention, gute Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und Umschulung. Zugleich ist für uns klar, dass es für Menschen in besonders belastenden Berufen oder mit gesundheitlichen Einschränkungen weiterhin verlässliche Möglichkeiten eines früheren Renteneintritts geben muss. Gerade in solchen Fällen braucht es humane und soziale Lösungen. Die Rente mit 63 darf aus unserer Sicht deshalb nicht einfach gestrichen werden, sondern muss gezielt denjenigen offenstehen, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen besonders hoher Belastungen früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen. Dazu haben wir auch bereits im Januar einen Antrag im Bundestag eingereicht: Gesund länger arbeiten und die Erwerbsminderungsrente verbessern.  

Gleichzeitig müssen wir überlegen, wie wir der gestiegenen Lebenserwartung Rechnung tragen. So, wie das Rentensystem ausgestaltet ist, stehen wir vor großen demografischen Herausforderungen. Deswegen wird es Reformen brauchen. Uns ist wichtig, dass politische Entscheidungen nicht pauschal über alle Beschäftigten hinweg getroffen werden, sondern die sehr unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsrealitäten berücksichtigen. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, verdient Respekt, soziale Absicherung und einen Übergang in den Ruhestand ohne Überforderung und Existenzangst. 

Die Antwort auf den demografischen Wandel kann deshalb nicht in einem starren Automatismus liegen. Entscheidend ist aus meiner Sicht eine Rentenpolitik, die soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Würde im Alter in den Mittelpunkt stellt. 

Mit freundlichen Grüßen 

Hanna Steinmüller 

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