Wie stehen Sie dazu, dass die ohnehin unter Druck stehende Gruppe der Psychotherapeuten durch die aktuellen Pläne der Bundesregierung noch weiter abgewertet und geschwächt werden soll?
Sehr geehrte Frau A.,
vielen Dank für Ihre Frage zur Lage der Psychotherapie im Kontext der aktuellen Debatten.
Grundsätzlich wird der aktuelle Kabinettsentwurf noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen und somit noch Verbesserungen und Änderungen durch den Bundestag und seine zuständigen Ausschüsse erfahren.
Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich im Einklang mit den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag dafür ein, psychische Gesundheit als zentralen Bestandteil sozialer und familienpolitischer Vorsorge zu stärken. Dazu gehören Prävention, frühzeitige Intervention sowie eine verlässliche ambulante Versorgung.
Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass regionale Ungleichgewichte in der Versorgung durch neue Regelungen nicht weiter verschärft werden dürfen. Vor allem aus kinder- und jugendpolitischer Perspektive ist eine bedarfsgerechtere Weiterentwicklung der Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Versorgungsbedarf von Kindern und Jugendlichen realistischer abbildet, aus unserer Sicht notwendig und wird von uns weiterhin eingefordert.
Lange Wartezeiten sind ebenfalls ein erhebliches Versorgungsproblem. Dass sich psychische Erkrankungen während langer Wartezeiten verschlechtern können und damit langfristige Auswirkungen auf Bildungschancen, soziale Teilhabe und Erwerbsbiografien drohen, ist eine reale Problematik, die angegangen werden muss. Intensiv diskutiert wird in diesem Kontext auch die Honorarabsenkung in der Psychotherapie, wobei diese nicht durch die Bundesregierung, sondern durch die Selbstverwaltung von Krankenkassen und Ärzten im Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen wird.
Im parlamentarischen Verfahren bringen wir diese Aspekte gegenüber der Bundesregierung und in den zuständigen Ausschüssen ein. Dabei ist uns wichtig, einerseits finanzielle Rahmenbedingungen verantwortungsvoll zu gestalten, andererseits aber sicherzustellen, dass Einsparungen nicht zu Lasten einer ohnehin angespannten Versorgung gehen oder langfristig höhere soziale und gesundheitliche Folgekosten verursachen. Dies gilt nicht nur für die Psychotherapie, sondern für alle Maßnahmen, die zur Stabilisierung der GKV im Moment diskutiert werden.
Dafür werden wir uns auch in den kommenden parlamentarischen Verhandlungen einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Jasmina Hostert
