Könnte man nicht zur Klimaanpassung (Schutz vor Hitze und Wasserknappheit) alte Infrastruktur aus dem 2. Weltkrieg und dem Kalten Krieg nutzen?
Sehr geehrte Frau Dillschneider,
bzgl. der Bedrohung aus Russland wurde viel darüber gesprochen, dass die Sanierung alter Bunker und Schutzräume zu teuer sei. Aber wenn sie stabil und sicher sind, warum kann man sie nicht bei Hitzewellen als kühle Orte öffnen? Hier im Saarland gibt es z.B. viele alte Bunker tief im Gestein, wo es auch im Sommer nicht heiß wird. Und in Berlin gibt es unterirdisch noch alte, unvollendete NS-Infrastruktur, die ebenso nutzbar wäre, oder auch als städtische Zisterne gegen Trinkwasserknappheit im nächsten Dürresommer. Stets heißt es, Klimaanpassung sei sehr teuer und die Haushaltslage schwierig, warum werden solche sehr günstigen Möglichkeiten dann nicht konsequent genutzt? Könnte der Bund nicht zumindest die Initiative ergreifen, alle Potentiale in den Ländern und Kommunen gemeinsam mit diesen zu evaluieren? Werden Sie bzw. Ihre Partei sich dafür einsetzen?
Sehr geehrter Herr B.,
vielen Dank für Ihre interessante Anregung.
Angesichts der zunehmend heißeren Sommer und der steigenden Zahl hitzebedingter Todesfälle sollte jede sinnvolle Möglichkeit geprüft werden, um Menschen besser vor den Folgen extremer Hitze zu schützen. Im Sommer 2025 sind in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts rund 2.500 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Seit dem Jahr 2000 geht fast jeder Todesfall durch Extremwetter auf Hitze zurück, nicht auf Stürme oder Hochwasser. Hitze ist damit das tödlichste Wetter, das wir kennen.
Ihre Überlegung, bestehende unterirdische Strukturen perspektivisch für die Speicherung von Wasser sowie als kühle Orte für die Sommerzeit anzubieten, ist interessant. Selbstverständlich müssten dabei jeweils die baulichen, sicherheitsrechtlichen, hygienischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen geprüft werden. Gerne nehme ich Ihre Anregung mit.
Wir setzen uns bereits dafür ein, den Hitzeschutz insbesondere in öffentlichen Gebäuden, wie Krankenhäuser, Schulen und Kitas, deutlich zu stärken. Dafür schlagen wir ein Förderprogramm für „Klima-Solar-Anlagen“ vor: Wo eine Klimaanlage nachgerüstet wird, soll gleich eine Solaranlage aufs Dach. Dann liefert die Sonne genau dann den Strom, wenn die Hitze am größten ist und senkt damit die Betriebskosten und entlastet die Stromnetze.
Unser Ansatz im Hitzeschutz ist, möglichst viele Maßnahmen miteinander zu verbinden. Wir setzen uns unter anderem für mehr Stadtgrün und Verschattung, eine bessere Regenwasserspeicherung sowie verbindliche kommunale Hitzeaktionspläne ein. Weitere Forderungen können Sie gerne in unserem Antrag „Hitzekrise ernst nehmen – Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell absichern“ nachlesen (Drs. 21/6343, https://dserver.bundestag.de/btd/21/063/2106343.pdf).
Mit freundlichen Grüßen
Jeanne Dillschneider
