Wie ist Ihre Haltung zur Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters in Bezug auf die steigende Lebenserwartung?
Guten Tag Frau Gebauer,
ich möchte Sie gerne fragen, wie Sie zu einer Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung stehen.
Befürworten Sie eine solche automatische Anpassung oder lehnen Sie sie ab? Ich würde mich außerdem freuen, wenn Sie Ihre Haltung kurz begründen könnten.
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Sehr geehrte Frau T.
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich bin bei einer automatischen Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung zurückhaltend. Eine solche Regelung würde sehr unterschiedliche Erwerbsbiografien – etwa von Menschen, die früh in körperlich belastenden Berufen starten, und von Akademikerinnen und Akademikern mit späterem Berufseinstieg – nur unzureichend berücksichtigen. Hinzu kommt, dass sich viele Berufe faktisch nicht bis ins hohe Alter ausüben lassen, etwa in der Pflege, auf dem Bau oder in ähnlich körperlich fordernden Tätigkeiten. Andere Tätigkeiten sind dagegen auch mit 70 noch möglich.
Wichtiger als eine automatische Kopplung sind aus meiner Sicht gut gestaltbare und verlässliche Übergänge in die Zeit nach dem Berufsleben. Viele Menschen, mit denen ich spreche, möchten zum Ende ihres Berufslebens nicht abrupt aufhören, sondern Schritt für Schritt kürzertreten. Für manche heißt das: auf drei Arbeitstage pro Woche umsteigen. Für andere: die Stundenzahl reduzieren. Solche Modelle können helfen, die letzte Phase der Erwerbstätigkeit gesundheitlich und sozial verträglich zu organisieren.
Die steigende Lebenserwartung müssen wir dabei im Blick behalten, sie sollte aber nicht der alleinige Maßstab für das Renteneintrittsalter sein. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass unterschiedliche Lebensläufe und Belastungen berücksichtigt werden und ein flexibler, sozial ausgewogener Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand möglich ist.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Gebauer, MdL
