Uhrenumstellung - Wann setzen Sie sich in Berlin konkret für die dauerhafte Normalzeit ein?
Sehr geehrter Herr Hiller,
2018 stimmten 84% der Bürger gegen die Uhrenumstellung. Dass wir 2026 immer noch umstellen, ist ein politisches Armutszeugnis.
Die künstliche Sommerzeit wird uns jährlich für 7 Monate aufgezwungen. Auf ein 80-jähriges Leben hochgerechnet raubt uns dieses System 16.800 Stunden an natürlicher Lebens- und Schlafenszeit das sind fast 700 komplette Tage Gerade hier in Nürtingen würde eine dauerhafte Sommerzeit bedeuten
dass die Sonne im Winter erst gegen 08:15 Uhr aufgehen würde.
Wie rechtfertigen Sie es gegenüber den Bürgern in Nürtingen
dass die Politik seit Jahren bürokratische Abstimmungsprobleme über unsere Gesundheit und Lebenszeit stellt? Wann setzen Sie sich in Berlin konkret für die dauerhafte Normalzeit ein?
Mit freundlichen Grüßen
N. D.
Sehr geehrter Herr D.,
vielen Dank für Ihre Anfrage hier auf abgeordnetenwatch.de.
Ich kann gut verstehen, dass Sie nach den jahrelangen Diskussionen endlich eine Umsetzung erwarten, denn auch mir persönlich fällt die Umstellung jedes Mal schwer.
Bei der von Ihnen angesprochenen EU-weiten Befragung 2018 sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Dabei wurde allerdings nicht abgefragt, ob anschließend dauerhaft Normalzeit oder Sommerzeit gelten soll. Ich kenne viele Menschen, die sich eher über lange Sommerabende freuen und die Sommerzeit beibehalten wollen. Interessanterweise war die Beteiligung in Deutschland besonders hoch, während dem Thema in vielen anderen europäischen Ländern deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Die EU-Kommission hat übrigens 2018 vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen, und das Europäische Parlament stimmte 2019 dafür. Im Rat der EU konnten sich die Mitgliedstaaten jedoch bis heute nicht auf eine gemeinsame Position verständigen. Deshalb ist die Reform weiterhin nicht beschlossen.
Eine rein deutsche Lösung ist aufgrund der geltenden EU-Regelungen derzeit nicht möglich. Unabhängig davon halte ich sie auch wegen der engen Verflechtungen innerhalb Europas für schwierig. Daher bleiben die weiteren Diskussionen auf Ratsebene abzuwarten.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Hiller