Was sagen Sie einer Praxis, die trotz voller Warteliste wirtschaftlich stärker unter Druck gerät?
Seit dem 01.04.2026 gilt eine Kürzung der Vergütung für ambulante psychotherapeutische Leistungen um 4,5 % (Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11.03.2026). Gleichzeitig warten Patient:innen derzeit im Schnitt mindestens 142 Tage auf einen Therapieplatz. Für viele Praxen bedeutet die Kürzung eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung – bei gleichzeitig hoher Nachfrage und bereits angespannten Versorgungsstrukturen.
Sehr geehrte Frau W.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Seien Sie versichert, dass meine Fraktion und ich dieses Thema sehr ernst nehmen und wir Ihre Verunsicherung und Ihren Unmut nachvollziehen können.
Für uns ist klar, dass dies kein gutes Signal für die Betroffenen und ihre konkrete psychotherapeutische Versorgung in Deutschland ist. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir gemeinsam mit unserem Koalitionspartner einen besonderen Schwerpunkt auf die mentale Gesundheit der Menschen und eine ausreichende Versorgung mit Unterstützung im Koalitionsvertrag festgelegt haben.
Zur Einordnung: Die Absenkung der Vergütung um 4,5 % wurde nicht politisch beschlossen, sondern im Rahmen der gemeinsamen Selbstverwaltung durch den Erweiterten Bewertungsausschuss, nachdem sich Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung nicht einigen konnten.
In der vergangenen Woche hat das Bundeskabinett einen Entwurf für ein GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Damit liegt erstmals eine konkrete Arbeitsgrundlage vor – eine endgültige Entscheidung ist damit ausdrücklich noch nicht getroffen. Das parlamentarische Verfahren beginnt jetzt, und der Deutsche Bundestag wird sich intensiv mit den vorgeschlagenen Maßnahmen befassen.
Einsparungen dürfen weder zulasten der Patientinnen und Patienten gehen noch die wirtschaftliche Grundlage der Praxen gefährden. Deshalb haben wir das Bundesgesundheitsministerium aufgefordert, die Auswirkungen auf die Versorgung transparent darzustellen und gegebenenfalls Handlungsbedarf aufzuzeigen.
Unser Ziel bleibt, die psychotherapeutische Versorgung zu stärken und den Zugang zu verbessern – gerade vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage.
Mit freundlichen Grüßen
Nancy Faeser
