Wie sind die geplanten Kürzungen im Bereich ambulanter Psychotherapie mit einer Forderung nach besserer Versorgung vereinbar?
Guten Tag, ich bin Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutin und schon viele Jahre in einer Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie tätig. Seit Jahren nehme ich eine Zunahme an Schwere und Komplexität psychischer Erkrankungen in diesem Alter wahr. Auch die absolute Menge an Neuanmeldungen steigt dramatisch. Umso überraschender ist es, dass so viele Eltern sagen, dass sie ambulant leider keinen Therapieplatz bekommen haben oder schon lange darauf warten. Die geplanten Kürzungen sowie die diskutierte Budgetierung sind nicht nur unverhältnismäßig, bedenkt man, dass Psychotherapeuten die Facharztgruppe mit ohnehin niedrigsten Honoraren sind, sondern auch in hohem Maße fahrlässig gegenüber der Not psychisch Erkrankter und werden die Versorgungslage weiter verschärfen. Die Folge sind deutlich teurere stationäre Behandlungen! Ich bitte dringlichst auf die geplanten Kürzungen im Sinne der Versorgung einzuwirken. Freundliche Grüße, Stephanie S.
Vielen Dank. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen im Bereich der ambulanten Psychotherapie und die parallele Forderung nach angemessener Versorgung der Betroffenen scheinen widersprüchlich zu sein. Ich bin dort kein Fachmann und nehme Ihren Hinweis als Warnmeldung wahr, möchte aber gleichwohl antworten und dabei abwägen:
Die geplanten Kürzungen sollen zur Reduzierung der Krankheits-/ Gesundheitskosten beitragen. Die Belastungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind bereits heute weltweit sehr hoch und wirken auf den Arbeitsmarkt abschreckend. Man muss mit den Einnahmen auskommen. Eine Ausgabenreduzierung muss für alle Bereiche gelten . Im Bereich der Psychotherapie muss nach nach Möglichkeiten gesucht werden, die Maßnahmenwirkung der Therapiestunden zu steigern (z.B. durch Gruppentherapien, geringintensive unterstützende Angebote, digitale Beratung u.a.) und Honorarausgaben zu kürzen. Abzuwägen sind dagegen die Verfügbarkeit von Leistungsanbietern sowie die patientenindividuellen Erfordernisse. Das ist eine Frage der Prioritäten und Belastungen sowohl der Patienten und Anbieter als auch der kostentragenden Beitragszahler.
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Patt
