Wie stehen Sie zum geplanten Abriss der bestehenden Straßenbahnbrücke in der Rennbahnallee und zur damit verbundenen Aufgabe der Straßenbahnverbindung zwischen Zoo und Neuem Friedhof?
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Frage zur Rennbahnallee-Brücke und zur Straßenbahnverbindung zwischen Zoo und Neuem Friedhof. Das Thema bewegt viele Menschen in Rostock, und ich verfolge es als Wahlkreisabgeordneter für Rostock I sehr genau – auch wenn die konkrete Entscheidung in der Zuständigkeit der Bürgerschaft liegt und nicht des Landtags.
Zunächst zu den Fakten, die dieser Entscheidung zugrunde liegen. Die heutige Brücke stammt aus den 1930er-Jahren, ist altersbedingt sanierungsbedürftig und erfüllt nicht mehr die heutigen Anforderungen an die Schwerlastfähigkeit; hinzu kommen technische Vorgaben der Deutschen Bahn, die beim Neubau zu erfüllen sind. Ein Neubau ist daher aus meiner Sicht unumgänglich. Die Bürgerschaft hat bereits 2023 entschieden, dass die neue Brücke zwei Fahrspuren sowie Geh- und Radwege erhält, aber keine eigene Gleistrasse mehr – mit der Folge, dass die rund 700 Meter lange Straßenbahnverbindung zum Neuen Friedhof mit Beginn der Vollsperrung im Oktober 2026 dauerhaft endet. Bis zur geplanten Fertigstellung im Frühjahr 2028 enden die Linien 3 und 6 am Platz der Jugend, die Buslinie 29 wird auf einen 20-Minuten-Takt verdichtet; dauerhaft sollen die Buslinien 28, 29 und 102 die Anbindung übernehmen. Als wirtschaftliche Begründung nennt Verkehrssenatorin eine vergleichsweise geringe Auslastung von rund 750 Fahrgästen täglich auf diesem Streckenabschnitt.
Ich habe für beide Seiten dieser Debatte Verständnis. Die Sorgen, die in der, mit über 3.300 Unterschriften weit über das Quorum hinaus, unterstützten Petition zum Ausdruck kommen, nehme ich sehr ernst. Für ältere und mobilitätseingeschränkte Friedhofsbesucherinnen und -besucher, für das nahegelegene Seniorenheim und die Gemeinschaftsunterkunft sowie für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Wohngebiets am Kiefernweg ist eine stufenlos zugängliche, vom Straßenverkehr unabhängige Tramverbindung ein echter Gewinn an Lebensqualität, den ein Bus nicht vollständig ersetzen kann. Gleichzeitig sehe ich auch, dass eine marode Brücke nicht auf unbestimmte Zeit stehen bleiben kann und dass sich Investitionsentscheidungen im ÖPNV an nachvollziehbaren Fahrgastzahlen und an der Wirtschaftlichkeit messen lassen müssen – alles andere wäre gegenüber anderen Strecken im Netz auch nicht fair.
Die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft hat sich genau aus den genannten Gründen für den Erhalt der Anbindung eingesetzt; der entsprechende Antrag fand leider keine Mehrheit. Ich hätte es für richtig gehalten, vor der endgültigen Festlegung auf eine Brücke ohne Gleise die absehbare Entwicklung durch das neue Wohngebiet und aktuellere Fahrgastzahlen noch einmal seriös prüfen zu lassen, wie es auch die Petition fordert. Dass die Stadt zugleich mit der TRAM WEST eine neue, 3,8 Kilometer lange Streckenerweiterung vom Zoo nach Reutershagen auf den Weg gebracht hat, zeigt mir, dass es hier nicht um eine grundsätzliche Abkehr von der Straßenbahn geht, sondern um eine Prioritätensetzung, die ich an dieser Stelle kritisch sehe.
Da die Bürgerschaft ihren Beschluss mehrheitlich bestätigt hat und der Neubau ohne Gleise bereits umgesetzt wird, lässt sich die Straßenbahnverbindung kurzfristig nicht mehr erhalten. Wichtig ist mir jetzt, dass der Busersatzverkehr wirklich verlässlich, barrierefrei und ausreichend getaktet ist und dass die Entwicklung am Kiefernweg im Blick bleibt, falls sich daraus mittelfristig eine neue Grundlage für eine Schienenanbindung ergeben sollte. Ich bleibe dazu im Gespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft.
Im übrigen stehe ich in engen Kontakt mit den Pedenten und habe einen Kontakt in das Wirtschaftsministerium gemacht. Wie Sie in der OZ lesen konnten: Mit Erfolg.
Die Rostocker Bürgerschaftsfraktion der SPD, der OV Nord und die Rostocker SPD haben eine Flyeraktion zum Erhalt der Straßenbahnlinie in Vorbereitung.
Ich drücke uns die Daumen für den Erhalt der Straßenbahnlinie.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ralf Mucha
