Was bedeutet Ihnen der heutige Gedenktag, der 27.Januar, und wie gehen Sie mit dem Tag heute um?
Sehr geehrter Herr Münzenmaier,
heute, am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir der über eine Million Menschen, die dort von Deutschen und ihren Kollaborateuren ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politische Gefangene, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Millionen verschleppte Slawen und Zwangsarbeiter.
Vor diesem historischen Hintergrund möchte ich Sie fragen:
Wie gehen Sie als Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Partei, deren Rhetorik und Geschichtsverständnis immer wieder in der Nähe von Relativierungen der Nazi-Verbrechen zu verorten ist, mit der Verantwortung um, an diesen Tag würdevoll und glaubwürdig zu erinnern?
Halten Sie es angesichts der von Ihrer Partei angeführten „Schuldkult“ und „erinnerungspolitische Wende“ ein ehrliches Gedenken an die Opfer des Holocaust für möglich? Wie halten Sie es persönlich?
Das Erinnern an die Schrecken des Nationalsozialismus und seine Opfer ist wichtig. Dafür steht der 27. Januar symbolisch. Aber natürlich sind wir vor dem Hintergrund unsere Geschichte aufgerufen, aufkommenden Antisemitismus an jedem Tag im Jahr zu bekämpfen, und zwar aus jeder politischen Richtung und unabhängig seiner kulturellen Herkunft.
Was ich konsequent ablehne, ist die Instrumentalisierung des Holocausts durch Gruppierungen wie das Zentrum für politische Schönheit mit dem einzigen Ziel, die AfD zu diffamieren.
