Setzen Sie sich für eine Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Kaarst-Viersen ein?
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an der Weiterentwicklung unserer regionalen Schieneninfrastruktur. Die Verlängerung der S28 über den aktuellen Endpunkt am Kaarster See hinaus über Willich-Schiefbahn und Neersen bis nach Viersen ist für mich ein Schlüsselprojekt, um die Verkehrswende im westlichen Niederrhein greifbar und verlässlich zu machen. Deshalb unterstütze ich dieses Vorhaben aus voller Überzeugung. Der Vorhabenträger des Trassenausbauprojekts, der sogenannten „Westverlängerung der S28“, ist die Regiobahn Infrastrukturgesellschaft – ein Verbundunternehmen der Kommunen, die den bisherigen Trassenverlauf abbilden.
Auf der Strecke betreibt das Regiobahn Schwesterunternehmen – die Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft – die Verbindung S28 im Auftrag des VRRs. Um diese Anbindung im Zuge des Strukturwandels und der Verkehrswende zu modernisieren, ist eine zweistufige Überholung vorgesehen:
Erstens wird das bestehende Verbindungsnetz durch die vollständige Elektrifizierung des Trassenbereichs zwischen Mettmann und Kaarst gestärkt. Die Baumaßnahme ist längst im Gange – derzeit strebt die Regiobahn den aktiven Einsatz der neuen, elektrischen Züge zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 an.
Zweitens wird die angesprochene „Westverlängerung“ vorangetrieben. Das Erweiterungsprojekt befindet sich noch im Planungsprozess, der für das Planfeststellungsverfahren („Baugenehmigung)“ der Baumaßnahme erforderlich ist. Dabei hat das Projekt schon wichtige Planungsphasen (LP 1 und 2 nach HOAI) abgeschlossen und mit dem Bewilligungsbescheid des Landes einen starken Unterstützer für die Realisierung der Verkehrswende auf seiner Seite. Durch die Landesförderung wird die Bedeutung des Streckenausbaus bis nach Viersen für die landesweite Verkehrswende im SPNV unterstrichen.
Das Ziel des Projekts ist klar definiert: Wir wollen den Menschen im Kreis Viersen und in den umliegenden Städten eine echte, komfortable und schnelle Alternative zum Auto bieten, indem wir sie direkt und ohne Umsteigen an den Knotenpunkt Düsseldorf bzw. Neuss anbinden. Durch den geplanten Ausbau erhalten die stark wachsenden Wohn- und Gewerbegebiete in Schiefbahn und Neersen endlich den lang ersehnten direkten Anschluss an das Schienennetz.
Um dieses Ziel zu erreichen, gehen wir das Projekt auf zwei eng miteinander verzahnten Ebenen an. Wir investieren in das bestehende SPNV-Netz in NRW, um Verbindungen mit modernen Zügen und zuverlässiger zu bedienen. Zudem investieren wir in den Ausbau des Streckennetzes, um die Taktung und die Anbindungsmöglichkeiten zu erweitern.
Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir keine halben Sachen machen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat grünes Licht für die Förderung eines echten 15-Minuten-Taktes gegeben. Das bedeutet zwar im aktuellen Planungsprozess eine deutlich höhere Komplexität bei der Trassenberechnung und den Wirtschaftlichkeitsprüfungen, aber dieser Mehraufwand lohnt sich. Nur mit einer dichten Taktung wird die Bahn so attraktiv, dass der Umstieg vom Auto im Alltag auch wirklich funktioniert.
Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Viersen, den weiteren beteiligten Kommunen, dem Land, dem VRR und der Regiobahn zeigt, dass alle Akteure nicht nur an einem Strang, sondern auch in die gleiche Richtung ziehen.
Mit freundlichen Grüßen
Simon Rock
