Unterstützen Sie die Beibehaltung der steuerlichen Haltefrist für Kryptowerte?
Sehr geehrter Herr Rock,
ich wende mich als Bürger Ihres Wahlkreises an Sie wegen der aktuellen Diskussion um die Abschaffung der einjährigen Haltefrist des § 23 EStG für Kryptowerte. Nach geltender Rechtslage sind Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowerten wie Bitcoin nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei, was der Systematik der privaten Veräußerungsgeschäfte entspricht.
Eine Abschaffung nur für Kryptowerte würde diese Anlageklasse gezielt benachteiligen und das Vertrauen vieler privater Anleger schwächen. Betroffen wären vor allem langfristig orientierte Sparer, nicht die großen Vermögen, die meist anders strukturiert sind.
Ich bitte Sie daher, sich in Ihrer Fraktion für den Erhalt der Haltefrist einzusetzen. Über eine kurze Rückmeldung zu Ihrer Position würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Eugen L.
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Ich kann Ihren Gedanken nachvollziehen, dass Planungssicherheit für Menschen wichtig ist, die langfristig Vermögen aufbauen möchten.
Gleichzeitig halte ich eine Reform der aktuellen Regelung aus Gründen der Steuergerechtigkeit für dringend geboten. Bei Aktien und klassischen Wertpapieren gilt die frühere Spekulationsfrist von einem Jahr schon lange nicht mehr, sondern Kursgewinne werden grundsätzlich besteuert. Es ist vor diesem Hintergrund kaum vermittelbar, warum erhebliche Wertzuwächse im Kryptobereich nach zwölf Monaten komplett steuerfrei vereinnahmt werden können, während dies für traditionelle Kapitalanlagen nicht gilt und erst recht im Vergleich zu Menschen, die jeden Monat ihr reguläres Arbeitseinkommen versteuern.
Auch der oft gezogene Vergleich mit klassischen Sachwerten wie Gold oder Silber greift hier aus meiner Sicht zu kurz. Kryptowerte unterliegen einer völlig anderen Marktdynamik, sind extrem volatil und fungieren heute in erster Linie als spekulative Finanzanlagen. Eine Angleichung an die Besteuerung anderer Kapitalerträge soll Anlegerinnen und Anleger nicht benachteiligen, sondern für faire und einheitliche Spielregeln im Steuersystem sorgen.
Mit freundlichen Grüßen
Simon Rock
