Welchen Stellenwert hat die geschlechtersensible Medizin für Sie? Welche konkreten politischen Maßnahmen ergreifen Sie um strukturelle Benachteiligungen von Frauen im Gesundheitssystem zu reduzieren?
Sehr geehrte Frau Tanja Machalet,
im Rahmen meiner 5. Prüfungskomponente beschäftige ich mich mit dem Thema
Geschlechtersensible Medizin und strukturelle Benachteiligungen von Frauen im Gesundheitssystem.
Studien zeigen, dass geschlechterspezifische Unterschiede in Diagnostik, Symptomerkennung und Medikamentenforschung lange Zeit unzureichend berücksichtigt wurden.Daher möchte ich Ihnen zwei Fragen stellen :
Wie wichtig ist Ihnen persönlich die Geschlechtersensible Medizin?
Und welche konkreten Maßnahmen setzen Sie als Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion bzw. Ihre Partei sich dafür ein, um strukturelle Benachteiligungen von Frauen im Gesundheitssystem abzubauen (z. B. in Forschung, Ausbildung oder Gesetzgebung)?
Mit freundlichen Grüßen
Malak Al.
Sehr geehrte Frau A.,
vielen Dank für Ihre Frage und dafür, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Ausbildung mit den wichtigen Themen geschlechtersensibler Medizin und Frauengesundheit beschäftigen.
Die geschlechtersensible Medizin hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Es darf nicht davon abhängen, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist, wie gut Krankheiten erkannt, erforscht oder behandelt werden. Noch immer erleben wir, dass Frauen bei vielen Erkrankungen später diagnostiziert sowie ihre Beschwerden nicht immer ausreichend ernst genommen werden und sie in der medizinischen Forschung über viele Jahre hinweg unterrepräsentiert waren und oft noch sind. Diese strukturellen Benachteiligungen müssen wir konsequent abbauen. Genau deshalb setze ich mich dafür ein, dass Frauengesundheit einen deutlich höheren Stellenwert in der Gesundheitspolitik erhält. Ich werbe unter anderem für einen Nationalen Aktionsplan Frauengesundheit, damit dieses Thema dauerhaft und ressortübergreifend auf der politischen Agenda verankert wird.
Dabei geht es mir nicht nur um einzelne Erkrankungen, sondern um eine geschlechtersensible Gesundheitsversorgung insgesamt. Dazu gehören beispielsweise eine bessere Versorgung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufig andere Symptome bei Frauen zeigen, die weitere Verbesserung der Brustkrebsversorgung, eine stärkere Prävention – etwa durch HPV-Impfungen – sowie eine Medikamentenforschung, die Frauen ausreichend berücksichtigt. Ich habe mehrfach betont, dass Frauen in klinischen Studien und bei der Entwicklung von Arzneimitteln zu lange nicht angemessen einbezogen wurden und sich das ändern muss.
Politisch setze ich mich deshalb dafür ein, dass geschlechterspezifische Unterschiede in Forschung, Prävention, Diagnostik und medizinischer Versorgung stärker berücksichtigt werden. Dazu gehört auch, dass Erkenntnisse der geschlechtersensiblen Medizin stärker in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie anderen Gesundheitsberufen einfließen. Ebenso wichtig ist es, mehr Daten über geschlechtsspezifische Unterschiede zu erheben und diese systematisch in gesundheitspolitische Entscheidungen einzubeziehen.
Insgesamt ist Frauengesundheit für mich kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil einer modernen und gerechten Gesundheitspolitik. Mein Ziel ist eine Gesundheitsversorgung, die die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigt und dadurch die Versorgung für alle verbessert.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Ausbildung und alles Gute für Ihre weitere Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Dr. Tanja Machalet
