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Bitte um Stellungnahme und Kurskorrektur bzgl Abwertung psychotherapeutischer Leistungen. Was halten sie davon?

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Vinzenz Glaser
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Frage von Laila G. •

Bitte um Stellungnahme und Kurskorrektur bzgl Abwertung psychotherapeutischer Leistungen. Was halten sie davon?

Guten Tag,als Fachärztin für psychosomatische Medizin bin ich getroffen und irritiert über die beschlossene Abwertung psychotherapeutischer Leistungen. Es ist erwiesen,dass Psychotherapie sich volkswirtschaftlich auszahlt. Die angeschlagene Coronageneration, Krisen der Welt und lange Wartezeiten belegen den hohen Bedarf, der Renteneintritt älterer Psychotherapeuten und die missglückte Ausbildungsreform verengen das Nadelöhr zur Therapie. Das Einkommen der Therapeuten ist ohnehin Schlusslicht im Facharztvergleich. Die Abwertung ist eine persönliche Entwertung meiner Arbeit und Person und aller psychisch Kranken. Überlegungen mehr PKV statt GKV zu behandeln oder zurück in eine Anstellung zu gehen, sind die Folge, der Facharzt verliert an Attraktivität, die Versorgung wird sicher schlechter. Längere AUs und Krankenhausbehandlungen statt amb. Therapie führen die kurzfristige Kostenkalkulation ad absurdum. MFG Laila G.

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Antwort von Die Linke

Guten Tag, 

Der Bedarf an Psychotherapie ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen – verständlich vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen aber auch immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt oder im Bildungsweg. Die gesetzlichen Krankenkassen sparen nun auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen.

Durch die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen werden Anreize für Psychotherapeut:innen geschaffen, in Zukunft ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler:innen zu geben. Diese Schritte hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin sind schlecht für alle, die es sich nicht leisten können, Therapiestunden einfach aus eigener Tasche zu bezahlen. Bereits jetzt warten Menschen in Zeiten, in denen es ihnen psychisch schlecht geht, monatelang auf einen ambulanten Therapieplatz – sofern sie überhaupt einen finden.

Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut:innen. All das mit dem Ziel, das diejenigen die Termine bekommen, die sie am dringendsten brauchen, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.

Mit freundlichen Grüßen, 

Vinzenz Glaser

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