Warum setzen Sie sich nicht in Deutschland wie China im Falle der TCM und Indien im Falle von Ayurveda für ein so erfolgreiches und weltweit verbreitetes Therapiesystem wie die Homöopathie ein? Warum
Warum setzen Sie sich nicht in Deutschland wie China im Falle der TCM und Indien im Falle von Ayurveda für ein so erfolgreiches und weltweit verbreitetes Therapiesystem wie die Homöopathie ein?
Warum verbieten sie ausgerechnet als grüne Partei die Homöopathie und Ergreifen Partei für Großpharma gegen kleine Unternehmen?
Sehr geehrter Herr Dr. B.
vielen Dank für Ihre Frage. Frau Haßelmann bat uns, Ihnen zu antworten.
Wir verstehen gut, dass das Thema Homöopathie viele Menschen persönlich sehr bewegt – insbesondere wenn man hiermit gute Erfahrungen gemacht hat oder sie als Teil eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses anwendet und schätzt.
Für uns Grüne im Bundestag ist wichtig, beides zusammenzudenken: erstens, das Recht jeder und jedes Einzelnen auf eine selbstbestimmte Therapieentscheidung und, zweitens, die Verantwortung der Solidargemeinschaft, Beiträge grundsätzlich nur dort einzusetzen, wo ein nachweisbarer medizinischer Nutzen besteht. Genau aus dieser Abwägung heraus hat der Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen im November 2025 in Hannover mehrheitlich die Forderung beschlossen, dass homöopathische Leistungen nicht länger über freiwillige Zusatzleistungen der gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden sollen.
Warum? Die gesetzliche Krankenversicherung ist ein solidarisch finanziertes System. Beitragsmittel sollen allen Versicherten zugutekommen – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Lebenslage. Das setzt voraus, dass Leistungen, die aus diesen gemeinsamen und begrenzten Mitteln bezahlt werden, in ihrer Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Kriterien belegt sind.
Für homöopathische Arzneimittel und Behandlungen ist dieser Wirksamkeitsnachweis nach dem Stand der Wissenschaft in den anerkannten Nachweisverfahren nicht hinreichend. In der Folge ist es aus unserer Sicht medizinisch nicht zu rechtfertigen, solche Angebote weiter aus Beitragsgeldern der Solidargemeinschaft zu finanzieren.
Gleichzeitig bedeutet dieser Beschluss ausdrücklich nicht, dass Homöopathie verboten oder abgewertet werden soll. Selbstverständlich bleibt es jeder und jedem weiterhin möglich, homöopathische Mittel zu nutzen und entsprechende Behandlungen in Anspruch zu nehmen, wenn man das persönlich für sich als hilfreich empfindet. Der Punkt ist allein: Was individuell gewählt wird, kann nicht automatisch solidarisch finanziert werden, wenn der Nutzen nicht belegt ist. Das ist eine Frage der Fairness gegenüber allen Beitragszahler*innen.
Uns ist außerdem wichtig, dass Menschen sich im Gesundheitswesen nicht „zwischen den Stühlen“ fühlen. Viele Patient*innen wünschen sich mehr Zeit, Zuwendung und einen Blick auf den ganzen Menschen – und erleben diese Haltung manchmal eher in komplementären Angeboten als im regulären System. Diese Erfahrung nehmen wir ernst. Genau deshalb setzen wir uns politisch dafür ein, die Regelversorgung menschlicher und zugewandter zu machen: durch weniger Bürokratie, aber auch durch den Abbau von Über-, Unter- und Fehlversorgung.
Wenn wir unnötige Behandlungen reduzieren, entsteht Raum für das, was Patient*innen oft am meisten brauchen: Zuwendung, Aufmerksamkeit, gutes Erklären, Beraten und Kümmern. Ganzheitlichkeit und evidenzbasierte Medizin sind für uns kein Widerspruch – sondern ein Anspruch an ein modernes Gesundheitssystem.
Mit besten Grüßen
Team Haßelmann
