Guten Tag Herr Schulz, Warum beschließen die Abgeordneten kein Moratorium für das SEZ, so dass eine breite Bürgerbeteiligung ermöglicht wird?
Ich bin gegen den Abriss des SEZ.
Der Bezirk Friedrichshain hat schon heute eine der höchsten Einwohnerdichten in ganz Europa und ist bei der sozialen Infrastruktur unterversorgt. Zusätzlicher Wohnungsbau an dieser Stelle verschärft dieses Defizit. Eine zusätzliche Verdichtung durch Wohnungsbau ist auf dem Gelände des Volksparks nicht sinnvoll.
Der Abriss des SEZ ist mit enormen Kosten und der Vernichtung bestehender baulicher Ressourcen verbunden. Abriss und Neubau führen zu einem hohen ökologischen Fußabdruck und sind mit Berlins Klimazielen nicht vereinbar.
Sehr geehrte Frau von B.,
das ehemalige SEZ hat als prägender Bau aus DDR-Zeiten eine besondere Bedeutung – für die Stadt und auch für mich persönlich. Ich kenne das Gebäude noch als es in Betrieb war. Dieses bauliche Erbe sollte nicht leichtfertig behandelt werden.
Aus heutiger Sicht braucht Berlin, dringender denn je, neuen Wohnraum, insbesondere bezahlbare Wohnungen in Landeshand. Deshalb halte ich es grundsätzlich für richtig, dass auf dieser großen und verkehrlich gut erschlossenen Fläche auch Wohnungsbau realisiert werden kann. Das setzt jedoch keinen Abriss des Gebäudes voraus. Ich erachte das bisherige Konzept des Senats zum Umgang mit der Identität des Areals für unzureichend. Zu beachten ist allerdings: Senat wie auch die WBM als Eigentümerin können auf Grundlage und im Rahmen des seit 2018 geltenden Bebauungsplans ohne einen weiteren Parlamentsbeschluss tätig werden.
In der SPD-Fraktion habe ich mich gemeinsam mit Kolleg*innen beim Senat dafür eingesetzt, den Abriss auszusetzen und eine weitere Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Darin soll insbesondere geprüft werden, inwieweit das bestehende Gebäude erhalten und trotzdem sinnvoll eine künftige Bebauung mit 500 bis 650 Wohnungen ermöglicht werden kann. Mir sind mehrere städtebauliche Konzepte bekannt, die sowohl den Erhalt ermöglichen als auch Wohnraum beinhalten – daran sollte sich orientiert werden. Eine solche weitergehende Prüfung wird vom Senat derzeit (noch) nicht unterstützt. Für einen Parlamentsbeschluss zur Durchführung einer solchen Prüfung, gibt es in der aktuellen Koalition bislang leider noch keine Mehrheit.
Es gibt Hoffnung den kompletten Abriss zu verhindern. Ich setze ich mich dafür ein, dass vom ehemaligen SEZ so viele Abschnitte wie möglich in die künftige Entwicklung integriert und damit erhalten werden. An diesem Ort kann bezahlbarer Wohnraum entstehen und die Geschichte und Identität des Areals erhalten bleiben. Inwieweit das möglich ist, muss fachlich bewertet und dann politisch entschieden werden.
Mit freundlichen Grüßen,
Mathias Schulz
