Was hat für die SPD Vorrang: die Erneuerung der Partei durch ihre Vorsitzenden oder der Erhalt ihrer Regierungsämter?
Sehr geehrter Herr Miersch,
die SPD steht vor einer grundlegenden Krise: sinkende Zustimmung, Wahlniederlagen und der Verlust ihrer Rolle als Volkspartei erfordern aus meiner Sicht eine umfassende Erneuerung.
Die Verbindung von Parteivorsitz und Ministeramt mag ja früher sinnvoll gewesen sein. Doch wir leben nicht mehr früher, die politischen Rahmenbedingungen haben sich verändert: Eine multipolare Weltordnung, neue gesellschaftliche Herausforderungen und eine veränderte Parteienlandschaft verlangen möglicherweise neue Führungsmodelle.
Ist es angesichts dieser Situation nicht wichtiger, dass die Parteivorsitzenden ihre volle Kraft in die Erneuerung und strategische Neuausrichtung der SPD investieren, statt gleichzeitig Ministerämter auszuüben?
Wie gewichtet die SPD dabei den persönlichen Verbleib einzelner Spitzenpolitiker in Regierungsämtern gegenüber dem übergeordneten Interesse der Partei, durch einen konsequenten Erneuerungsprozess verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen?
