Angesichts der massiven Kürzungen im Bereich Psychotherapie und der unklaren Finanzierung der Weiterbildung wird der Beruf Psychotherapeut immer unattraktiver. Wie lösen Sie das Nachwuchsproblem?
Sehr geehrter Herr Mieves,
die ambulante psychotherapeutische Versorgung steuert auf ein Nachwuchsproblem zu. Eine große Zahl an Psychotherapeuten geht bald in Rente und die Attraktivität dieses Berufes nimmt deutlich ab angesichts der unklaren finanziellen Situation und den drastischen Einschnitten, die ab 2027 drohen. Szenarien und Analysen sprechen von 20-30% Honorarverlust durch Budgetierung, Wegfall der Zuschläge und den 4,5% bei steigenden Kosten und fehlendem Inflationsausgleich! Wenn man in Zukunft unter TVÖD verdient, wird niemand mehr freiwillig die Selbstständigkeit als niedergelassener PT wählen. Schon heute warten Hilfesuchende mehrere Monate auf einen freien Therapieplatz bei steigender Nachfrage.
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie auf die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung aufmerksam machen.
Ich teile Ihre Sorge, dass wir auch in den kommenden Jahren genügend gut ausgebildete Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten brauchen. Schon heute sind lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz für viele Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung. Deshalb dürfen die Rahmenbedingungen für diesen Beruf nicht leichtfertig geschwächt werden.
Zum Verfahren ist wichtig: Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 den von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur GKV-Beitragssatzstabilisierung beschlossen. Damit ist das Gesetz aber noch nicht verabschiedet. Zunächst hat nun der Bundesrat Gelegenheit zur Stellungnahme. Erst danach befassen sich der Deutsche Bundestag und der Gesundheitsausschuss mit dem Gesetzentwurf.
Wir als SPD-Bundestagsfraktion begleiten diesen Prozess bereits sehr eng und werden die möglichen Auswirkungen auf die Versorgung genau prüfen. Klar ist: Die politische Verantwortung für diesen Entwurf liegt bei der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken.
Zugleich beginnt mit dem parlamentarischen Verfahren die Phase, in der wir als Bundestag den Entwurf sorgfältig beraten, bewerten und Änderungen vornehmen können. Deshalb sind wir bereits im Austausch, unter anderem auch mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten. Dabei geht es auch um die Folgen für Nachwuchs, Weiterbildung, Niederlassung und Wartezeiten.
Für mich ist klar: Wer langfristig gute psychotherapeutische Versorgung sichern will, muss den Beruf attraktiv halten, die Weiterbildung verlässlich finanzieren und verhindern, dass sich die Wartezeiten weiter verschärfen. Dafür werde ich mich im weiteren parlamentarischen Verfahren einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Mieves
